Sachsen-Meiningen, Georg II., Herzog von

Georg II., Herzog von Sachsen-Meiningen an Ernst Haeckel, Meiningen, 20. Januar 1907

Meiningen 20 Jan. | 1907

Lieber Häckel!

Außerordentlich habe ich mich über Ihren lieben Brief vom 15ten des Monatʼs gefreut und bin ich glücklich, daß meine Spende zu Ihrem famosen Vorhaben, ein Phylogenetisches Museum zu bauen, Ihren Beifall hat. Ich gab mich der Hoffnung hin, mein Beispiel werde die Miterhalter der Universität bewegen, so viel beizusteuern, daß ohne Inanspruchnahme der Zeiß-Stiftung ein Fond aufgebracht werde, aus welchem auch die Verwaltungs- und Unterhaltungskosten des Museums würden bestritten werden || können. Bis jetzt scheint zu meinem Verdrusse dazu aber leider wenig Aussicht; denn die Minister von Weimar, Altenburg und Gotha stehen der pekuniären Inanspruchnahme ihrer gnädigstes Herrn kühl gegenüber. Es scheint sogar, daß keiner der Minister seinem Fürsten über die Angelegenheit Vorlage gemacht hat. Immerhin hat Rothe in der jüngsten Ministerial-Conferenz sich endlich breitschlagen lassen, dem Großherzog noch Vortrag über die Sache zu erstatten, während die 2 andern Herrn erklärten es sei den beiden Herzögen nicht zuzumuthen, etwas zu geben.

Für Ihre interessanten Gaben, die Sie so freundlich waren, dem Briefe beizufügen, sage ich Ihnen herzlichsten Dank. || Auch meinem Sohn, dem ich das ihm Zugedachte nach München gesandt habe, werden diese Dinge viel Freude machen und wird er nicht verfehlen, Ihnen das brieflich auszusprechen.

Seit dem neuen Jahre haben wir hier böse Tage mit Angst und Sorge verlebt und athmen erst seit gestern freier wieder auf: Der am 24sten December erfolgte Tod des Oberhofmarschallʼs von Schweden und ein langer Besuch bei dessen Wittwe hatte meine Frau, welche seit October in erhöhtem Grade an Herzbeschwerden gelitten hatte, sehr angegriffen, da warf sie der Schreck über einen plötzlichen Schüttelfrost, den ich in der Nacht vom 1 zum 2 Januar bekam, völlig um. Die Herzzustände nahmen einen akuten Charakter an und || erschienen sehr bedrohlich. Glücklicher Weise hat aber gestern der zur Consultation herbeigerufene Geheimerath Dr. Fürbringer aus Berlin nach gründlicher Untersuchung versichert, lebensgefährlich sei der Zustand nicht, es werde aber lange dauern, bis er gehoben sein werde.

Meine Frau trägt mir auf, Sie und Ihre Frau Gemahlin herzlichst zu grüßen. Indem ich mich dem anschließe, lieber Häckel, verbleibe ich in Verehrung Ihr

Ihnen treu ergebener

Georg

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
20-01-1907
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 10276
ID
10276