Sachsen-Meiningen, Georg II., Herzog von

Georg II., Herzog von Sachsen-Meiningen an Ernst Haeckel, Meiningen, 11. März 1900

Meiningen | 11.3.1900

Lieber Häckel!

Ehe wir nach dem Cap Martin abreisen, will ich Ihnen doch die uns gelaßenen Urtheile über Borngräber zurückstellen. Ich habe sein Drama, das für einen 25jährigen Dichter einen zu spröden, zu schwer bühnengerecht zu machenden Stoff behandelt, zweimal aufmerksam gelesen und muß mich dem Urtheile meiner Frau, das sie Ihnen geschrieben, anschließen, || daß es ungebbar ist. Borngräber sollte sich an einen weniger schwierigen Stoff machen, vielleicht gelänge ihm bei seinem Talente, was ihm mit Bruno mißlungen ist.

Mit größtem Bedauern haben wir von Ihnen gehört, daß die miserable Influenza bei Ihnen eingezogen ist. Wir wünschen von ganzem Herzen, Sie und die Ihrigen möchten diese perniciose Krankheit ganz überwunden haben. Werden Sie in den Osterferien nicht südwärts gehen? Prächtig wäre es, Sie suchten uns auf! Oft gedenken wir Ihrer und der Tage Ihres leider nur so kurzen Aufenthaltʼs hier – und an der Riviera werde ich Ihrer auch gedenken, da ich vorhabe, dort in Ruhe einen Haufen monistischer Bücher zu lesen, die ich mitnehme.

Uebermorgen soll unsere Reise angetreten werden. Mit herzlichsten Grüßen von meiner Frau und Ihnen alles Gute wünschend,

Ihr

Ihnen herzlich ergebener

Georg

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
11-03-1900
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 10242
ID
10242