Sie schließen Ihre Mir zugesendete Schrift über den Monismus, für die Ich Ihnen meinen Dank ausspreche, mit dem Wunsche: „Das walte Gott, der Geist des Guten, des Schönen und der Wahrheit“.
In diesem Wunsche stimme Ich mit Ihnen überein. Gottes Segen erflehe Ich, daß Er in Seiner Barmherzigkeit das Streben unserer Universität nach Wahrheit in allen Gebieten fördern möge, denn die ungehinderte Erforschung der Wahrheit ist von jeher die Stärke unserer lieben Universität gewesen. Diese Erforschung selbst aber muß auf Ihr Gebiet beschränkt bleiben; sie würde Vorurtheile erzeugen, wollte man verkennen, was Bedürfniß des Herzens, nicht Gegenstand der wissenschaftlichen Erkenntniß ist, und somit den Glauben erschüttern.
Mit dieser Ueberzeugung erwidere Ich Ihre Gesinnungen.
Sachsen-Weimar-Eisenach, Carl Alexander Großherzog von an Haeckel, Ernst; Weimar; 04.01.1893; https://haeckel-briefwechsel-projekt.uni-jena.de/de/document/b_10204