Gegenbaur, Carl

Carl Gegenbaur an Ernst Haeckel, Heidelberg, 25. September 1876

Heidelberg, 25. Sept. | 1876

Liebster Freund!

Eben im Begriffe die eingepackte Brieftasche zu schicken erhalte ich Deinen Brief, und darin Nachricht von Dir, den ich seit einer Woche persönlich hier erwartet habe. Jetzt freue ich mich, endlich etwas von Dir zu hören, dass es Dir gut gehe, vor Allem.

Was mich betrifft so war ich die Zeit über fast stets hier, mit meinem Baue beschäftigt, und bin jetzt im Begriffe mich etwas zu erholen um nicht vom Semester ins Semester zu gehen. Erholung thut mir nun nach einem recht schweren Trauerfalle noth, den ich jüngst erlebte. Meine gute Schwester ist nämlich vor 8 Tagen gestorben! ||

Ich werde nach München zur Ausstellung gehen, wenn‘s Wetter es erlaubt, auch noch etwas von Bergen sehen, sonst wird es leider mir unmöglich sein, auf Deinen sonst so trefflichen Vorschlag einzugehen. Ich bin nämlich schon 8 Tage lang auf dem Sprunge, immer kam etwas dazwischen. Heute aber soll‘s ausgeführt werden.

Bei mir geht es gut. Will hoffen auch bei Dir.

Grüße Abbe, und sei selbst tausendmal begrüßt

von Deinem treu ergebenen

CG.

Ich werde in der 1. Oktober Woche wohl wieder hier sein.

Wie steht es denn nach Uebergabe des Prorektorats. Könntest am Ende doch noch hieher kommen, oder könnten wir uns in Frankfurt treffen, wenn es sonst nicht ginge.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
25.09.1876
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 10013
ID
10013