Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Agnes Haeckel, Berlin, 18. – 21. Mai 1868

Berlin 18/5 68.

Mein liebes Töchterchen!

Herzlichen Dank für Deinen lieben Brief, den ich heute früh erhielt, und schon so sehnlich erwarttet habe. Sehr leid thut es mir, daß Du wieder so unwohl warst. Hoffentlich geht es Dir nun besser, ich denke es wird Dir a der Auffenthalt in dem Garten bei Deiner lieben Mutter recht gut thun, mir ist es überhaupt eine große Beruhigung, Dich in der Obhut der Mutter zu wissen. – ||

Hoffentlich kommt unser lieber Ernst recht frisch von Halle zurück und findet dann auch sein liebes Frauchen besser. Du, armes Ding, bist ja recht oft unwohl, in den letzten Monathen wird es Dir hoffentlich besser; für Dich könnt ich zwar wünschen, daß der Sommer nicht gar zu warm wird; nun habe nur guten Muth; nach dieser Zeit wirst Du dann auch hoffentlich Dich eines gesunden Kindes erfreuen. – ||

Auch wünsche ich Dir sehr, daß Du bald im Hause wieder in Ordnung kommst, wenn Du Dich auch sehr wohl bei Deiner lieben Mutter fühlst, so wird Euch beiden doch die gemüthliche Häuslichkeit im eigenen Hause fehlen; und besonders Ernst wird es schwer sein, Dich zu entbehren. –

Den Anzug für Ernst werde ich bald besorgen, und sehn ob ich es gleich mitschicken kann; ich habe die Sachen schon in einem Korb verpackt, den ich in Leinewand nähen will; da ich aber zu-||gleich den Wein mit schicken mögte, will ich mit der Absendung noch ein paar Tage wartten, bis das Wetter etwas kühler wird; bei der Hitze möchte der Wein leiden. –

Wenn Ernst wünscht, so kann ich ihm gleich Geld schicken, er soll es dann nur schreiben wie viel ich schicken soll, das übrige bringe ich dann mit. –

Du brauchst mir das Geld nicht zu schicken, wir werden alles verrechnen, wenn wir kommen; aber || wegen dem Gelde für die Leinewand mußt Du Dich irren, ich habe keines bekommen, hast Du es etwa jemand mit gegeben? ich schrieb Dir damals gleich ich würde es mit Herrn Lampert verrechnen, Ihr solltet mir nur den Betrag schreiben, auch das habt Ihr nicht gethan, aus der Rechnung, die ich Herrn Lampert bezahlt habe, sehe ich daß die Leinwand 11 Thaler 20 sg. gekostet hat; doch das können wir ja mündlich besprechen, ich wollt es Dir nur schreiben, wenn Du es jemand gegeben habest. ||

Meinem lieben Ernst lasse ich aber sagen: er muß das Geld für Museum und sonst fremdes was er zu besorgen hat, ganz getrennt von seinem lassen; er muß in Geldsachen ganz vorsichtig sein, wenn ihm das auch langweilig scheint, so muß doch ein würdiger Hausvater damit sich befassen.

August Sack aus Halle ist hier, den hat also Ernst nicht getroffen. Von den Holländern ist ihre || Ankunft noch nicht bestimmt. In Landsberg ist alles wohl. –

Daß wir auch mit Deiner Schwester Marie zugleich in Jena sein werden, freut mich sehr, sorge nur, daß unsere kleine Frau dann auch recht frisch ist, damit sie auch was davon hat. –

Den 21sten. Da ich zur Absendung des Weins kühlere Tage erwartten muß, wollt ich das Zeug zu Ernstens Anzug allein per Post schicken; da fiel mir aber ein, Deiner Schwester Ber-||tha würde es wohl lieb sein, die Leinewand bald zu haben, und so habe ich denn heute das Zeug für Ernst noch oben auf den Korb befestigt und das Ganze in Packleinewand genäht, und hoffe es kommt gut an: Du erhälst nun die letzten 7 Hemden, an 3 fehlt ein Knopfloch. Die alten Hemden, die ich zur Probe hierhatte, folgen auch bei, kann Ernst sie nicht mehr brauchen so kannst Du sie als alte Leinewand ver-||brauchen, zum gleichen Zweck, habe ich auch ganz alte Handtücher zum Verpacken gebraucht. –

Gestern waren wir zu Mittag bei Tante Bertha, Abends überraschten uns noch August Sack etc, die heute Abend abreisen. – Gertrudchen Sethe ist gestern nach Cüstrin gefahren. –

Wundere Dich nicht, daß ich für Ernst andere Farbe zum Anzug gewählt habe, ich dachte aber, es soll im gefallen, ich nahm gerne mal was anderes, sonst wird mein Junge || noch der graue Professor genannt werden. –

Ernst mag nun in Zeiten dem Schneider sagen, daß er ihm noch den Anzug vor Pfingsten machen muß. – Wenn Ernst zu Pfingsten wieder verreisen muß, kann er dann nicht mit zu uns kommen, das wäre doch sehr schön! freilich noch schöner, wenn Ihr Beide kommen könntet, doch daran ist nicht zu denken, wir wollen keine dummen Streiche machen. – Herzlich Grüsse Euch Lieben alle

von Euerer alten Lotte

a gestr.: nur

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
21-05-1868
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 49288
ID
49288