Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Agnes Haeckel, [Berlin, 25. März 1868]

Liebe Agnes!

Daß Du jetzt so manche Unbequämlichkeit aushalten mußt, thut mir leid; aber habe nur guten Muth, wenn die erste Zeit vorüber ist, wird Dir es besser gehn und leichter werden. Freue Dich, daß Du Deine sorgsame und liebende Mutter um Dich hast, die Dir mit Rath zur Seite steht. Freilich ist es ein unangenehmer Zustand, aber denke nur dabei, welch großes Lebensglück Euch dadurch herbeigeführt werden soll. Versuch doch ob Du || die Uebelkeiten etwas mildern kannst, daß Du ein Stückchen gezuckerte Orangenschaale ißt; könnt Ihr dort keine haben, so soll Ernst schreiben, und ich schicke Dir von hier welche; überhaupt, wenn Du auch sonst etwas wünscht, was ich Dir von hier schicken kann, so schreibe es nur. Hoffentlich geht es Dir bald besser, daß Du und Ernst a auch mit Freudigkeit der Zukunft entgegen geht. – Wenn es Dir || jetzt schwer wird, so denke, daß Du das für Dein Kindchen aushälst, eine Mutter nimmt aus Liebe für das Kindchen, dem sie das Leben giebt, gerne die Beschwerden hin. Tante Bertha ist vorigen Dinstag nach Landsberg gefahren, und gestern Abend wieder gekommen; ich war heute früh bei ihr, sie hat dort alles wohl gefunden, bis auf kleine Erkältungen; besonders prächtig sei jetzt der kleine Julius rund und dick wie Georg mit blonden Locken. ||

Bertha ist heute Abend zu einer Tanzgesellschaft bei Quinkes, wohin sie auch Gertrudchen und Adelheidchen aus Potsdam begleitet, die dann die Nacht bei ihr bleiben. Bertha sagte mir in Cüstrin sei die Seekrankheit schon überwunden; also nur guten Muth, meine kleine liebe Schwiegertochter. Willst Du Dich ein klein wenig ärgern, so sage ich Dir noch, daß bei aller Theilnahme für Dich, wir uns doch herzlich freuen über Deinen jetzigen Zustand. – Grüsse Deine liebe Mutter herzlich von Deiner Mutter Lotte.

a gestr.: Euch

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
25-03-1868
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 49286
ID
49286