Haeckel, Carl Gottlob

Carl Gottlob Haeckel an Johanna Regina Haeckel, Potsdam, 2. April 1834

2 April 34.

Wir haben nun, liebste Mutter, unseren Kleinen getauft, Gott gebe seinen Seegen, erhalte ihn zu unserer Freude und lasse ihn gedeihen, daß er braver, guter, tüchtiger und Gott wohlgefälliger Mensch werde. Es ist ja ein unverhofftes Geschenk, was uns Gott gemacht hat, er wolle es uns auch erhalten. Ich wünschte wohl, ihn noch erziehen zu können. Wenn ich noch etwa 15 Jahre lebe, dann könnte es der Hauptsache nach geschehen. Ich habe Ihrer recht am Tauftage gedacht und sie zu mir gewünscht. Ich kann mir es aber wohl denken, daß man in Ihren Jahren das Reisen scheut. Nun vielleicht leben wir auf den Sommer einige Wochen zusammen. Lotte denkt, wenn es angeht, schon Anfang Juli zu Ihnen zu gehen und bis zum September bei Ihnen zu bleiben, ich käme dann nach. Der Carl soll Michaelis aufs Gymnasium und müßte dann aber ein paar Monate Privatstunden dort, besonders im Latein nehmen, und noch einmal die Landluft recht genießen, da er, wenn er dann aufs Gymnasium geht, nicht mehr so lange abkommen kann.

– Die Hämorrhoiden haben sich bei mir so im oberen Theile des Körpers festgesetzt, daß das Blut nicht gehörig circuliren kann und besonders auch || in der Gegend der Leber Stockungen entstehen, so daß ich früh und Abends einen Löffel Ochsengalle einnehmen muß, eine bittere Kost! So habe ich immer mit dem Körper zu kämpfen. – Auch bin ich noch sehr mit den Berliner Magistratssachen beschäftigt und muß von Zeit zu Zeit auf ein paar Tage nach Berlin. – Die Gäste am Tauftage waren ziemlich froh. Zwischen 6 und 7 Uhr ging alles fort. Unsere Verwandten fuhren noch nach Berlin, bei sehr schlechtem Wetter. Wir haben Schnee und Regen untereinander gehabt, rechtes April Wetter. Jacobis haben ein sehr hübsches Quartier hinter dem Militärwaisenhaus bezogen. Herr Dr. Lauriskus, der sich zur Kur in Berlin aufhält, scheint sich zu beßern.

– Unser kleiner Ernst gedeiht bis jetzt sehr gut, er hat in den 6 Wochen schon sehr zugenommen ist und ist ein sehr starkes Kind, so daß wir es auch nicht wagen, ihn Jetten anzuvertrauen, sie ist dazu zu klein und schwach, auch zu faslicht, denn sie läßt manches fallen, da fürchten wir uns, der Kleine könnte Schaden nehmen und haben uns nach einem andern || Mädchen umgesehen. Sie ist sonst willig, scheint aber nicht viel Grütze im Kopfe zu haben. Wir wollen sie indeß vorläufig hier behalten, bis sich Gelegenheit findet. Spätestens bringt sie Lotte mit, wenn es nicht früher geschehen kann.

Wie leben Sie denn? Sie haben wohl dort noch Schnee? Grüne Weihnachten, weiße Ostern! heißt es in diesem Jahr. – Der Major von Brandenstein bei dem hiesigen 1sten Regiment Garde (bei dem er Capitain war) ist an v. Stössers Stelle nach Hirschberg versetzt. Er wird den 14 Tagen hinkommen, um sich nach Quartier etc. umzusehen. Wir kennen diese Familie und haben sie zuweilen in Gesellschaft getroffen. Sie waren viel bei Hildebrand‘s.

Sonst wüßte ich Ihnen nicht zu schreiben. Bleek‘s aus Bonn kommen wahrscheinlich in der 2ten Hälfte September nach Berlin. Gustchen ist wieder ein paar Monat krank gewesen. Sie fängt sich an wieder zu erholen.

Daß Weissig etwas Geschäfte bekommen hat, freut mich, vielleicht ist es der Anfang zu etwas beßerem. Grüßen Sie herzlich, sowie alle Freunde

von Ihren Carl

 

Briefdaten

Datierung
02-04-1834
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 44383
ID
44383