Haeckel, Ernst

Bericht Ernst Haeckels über das Gebäude und die innere Einrichtung des Phyletischen Museums, Jena, 5. Januar 1907

C.

Bericht über das Gebäude

und die innere Einrichtung des

Phylogenetischen Museums

von Prof. Dr. Ernst Haeckel.

Jena 5. Januar 1907.

Hochgeehrter Herr Curator!

Dem Wunsche Ew. Exzellenz entsprechend, habe ich gestern meinen vorläufigen Plan des neu zu gründenden Phylogenetischen Museums dem dafür in Aussicht genommenen Regierungs-Baumeister, Herrn Karl Dittmar mitgeteilt, mit ihm zusammen den projectierten Bauplatz (– am Neutor, südlich neben dem pharmacologischen Institut –) besichtigt und ihm die Sammlungen gezeigt, die darin unterzubringen sind. Nach eingehender Beratung sind wir zu dem Ergebniß gelangt, daß das neue phyletische (oder phylogenetische) Museum in Bezug auf Größe und allgemeine Raum-Verteilung ungefähr dem jetzigen Zoologischen Institute gleichkommen würde, dessen Bau (vor 25 Jahren) nur 60.000 Mk gekostet hat. Da es jedoch sehr wünschenswert ist, daß das neue Phyletische Museum dem entwickelten modernen Kunstgeschmack mehr entspricht und schöner ausgestattet wird, als das letztere, dürfte die Summe der Baukosten entsprechend höher anzunehmen sein. ||

Die breite östliche Frontseite des Phyletischen Museums ist dem Paradies und Hausberg zugewendet (unmittelbar über dem Brunnen der Kahla. Strasse, am Neutor); die entgegengesetzte westliche Frontseite ist dem jetzigen Zoologischen Institut zugewendet. Die nördliche Giebelseite steht dem alten pharmakologischen Institut gegenüber, die südliche dem Hartungschen Hause.

Das Gebäude ist massiv auszuführen und ganz zu unterkellern; die einzige Zugangstür entweder von Osten (Freitreppe von der Kahla. Strasse), oder von Westen (Zugang vom Garten des Zoologischen Instituts).

Die Kellerräume nehmen die Heizungs-Materialien und eventuell Aquarien auf (Große Souterrain Fenster).

Das Erdgeschoß (mit Corridor) enthält vorn 5 Räume für die auserlesenen Sammlungen, hinten rechts das Archiv und die Bibliothek, links die Diener-Wohnung (mit Küche und Abort).

Der Oberstock enthält vorn 2 große durchgehende Sääle (mit je 4‒5 Nischen) für die Zoolog. Bilder-Gallerie, hinten die Abteilungen für Kunstwerke (links Wandbilder, Aquarelle etc) rechts die persönliche Sammlung von Ernst Haeckel (Portraits, Büsten, Votiv-Tafeln etc), sowie die Grundlagen einer Anthropologischen Sammlung.

Die Bodenräume bleiben für Vorrats-Kammern und vorläufige Aufstellung von Zugängen reserviert. ||

[egh. Raumplan für oberen und unteren Stock des Phyletischen Mueums] ||

Front: Ostseite; Blick auf das Paradies und Hausberg.

Oberer Stock: Bilder-Gallerie

Protisten
(Einzeller)

Nessel-
tiere

Gatraea-
Theorie

Wurm-
tiere

Zellen-

Theorie

Stern-
tiere

Weich-
tiere

Glieder-
tiere

Wirbel-
tiere

(Offener Mittelgang )

Wanderbilder

Aquarelle, Ölbilder, Prachtwerke, Statuen

Treppe

Ernst Haeckel

Persönliche Sammlung

Porträts, Büsten,
Votiv-Tafeln etc.

Unterer Stock: Sammlungen

Front: Ostseite; Kahla. Strasse

Korallen-

Sammlung

Typen-

Sammlung

Vögel-

Sammlung

Säugetier-

Sammlung

Primaten-

Sammlung

Corridor

Wohnung des

Dieners

Küche

Abort

Treppe

Archiv

Bibliothek

EingangstürEs ist wünschenswert, daß das Phyletische Museum sofort beim Bau mit Central-Heizung versehen wird, außerdem aber die Diener-Wohnung mit Öfen ausgestattet.

Da die vorstehende rohe Skizze nur ganz im Allgemeinen die Disposition der Räume und ihres Inhalts andeuten soll, bleiben alle speziellen Vorschläge, sowie auch die Fragen der äußeren und inneren künstlerischen Ausstattung, dem dafür ausersehenen Herrn Regierungs-Baumeister überlassen.

Wenn die hohe Staatsregierung, wie zu hoffen ist, meine Pläne billigt, kann der Bauplan vom Herrn Baumeister in nächster Zeit fertig gestellt, der Bau im Frühjahr begonnen und im Herbst beendigt werden. Sodann könnte im Frühjahr 1908 der Umzug der Sammlungen und die innere Einrichtung ausgeführt und das fertige Phyletische Museum der Universität Jena bei Gelegenheit ihrer 350 -jährigen Jubelfeier im Sommer 1908 übergeben werden.

Im Hinblick auf diese günstige Zeitverhältnisse erlaube ich mir an Sie, hochgeehrter Herr Curator die ergebenste Bitte zu richten, die wohlwollende Teilnahme, die sie meinem Project entgegenbringen, auch in der tunlichsten Beschleunigung seiner Ausführung zu betätigen. Indem ich Ihnen meinen besten Dank dafür im Voraus abstattete, bleibe ich in aufrichtigster Verehrung Ew. Exzellenz ergebenster Professor Dr. Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
05-01-1907
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Universitätsarchiv Jena
Signatur
C 640, Bl. 5r-6v
ID
41257