Haeckel, Ernst

Bericht Ernst Haeckels an Heinrich Eggeling über die Gründung des Phylogenetischen Museums, Beilage B, Vorschläge zur Beschaffung der Geldmittel, Jena, 5. Januar 1907

B.

Bericht über die Gründung des

Phylogenetischen Museums

von Prof. Dr. Ernst Haeckel.

B. Beilage: Vorschläge zur

Beschaffung der Geldmittel.

Jena 5. Januar 1907.

Hochgeehrter Herr Curator!

In Ergänzung des Berichts, welchen ich heute Ew. Exzellenz über Gründung des neuen Phylogenetischen Museums in Jena abgestattet habe, erlaube ich mir nachstehend meinen vorläufigen Plan über Beschaffung der dazu erforderlichen Geldmittel zu entwickeln. Nachdem ich gestern mit dem in Aussicht genommenen Regierungs-Baumeister Herrn Karl Dittmar, meinen Plan über Bau und Einrichtung des Phyletischen Museums eingehend besprochen, auch mit ihm den projectirten Parkplatz (– am Neutor, südlich neben dem pharmakologischen Institute –) besichtigt habe, ist für eine zweckmäßige, solide und schöne Ausführung unseres Projectes die Summe von Hunderttausend Mark als erforderlich erkannt worden. Hiervon würden 60‒70 Tausend für Ausführung des massiven Gebäudes und Herstellung seiner Umgebung, 30‒40 Tausend für die innere Ausstattung (Anschaffung von Schränken, Möbeln u. s. w.) zu verwenden sein. (Der Baugrund, als Universitäts-Eigentum, steht gratis zur Verfügung).│

Von dieser Summe (100 Tausend Mark) steht die Hälfte, (mit Zinsen, vom 1. Januar 1907 an gerechnet) sofort zur unmittelbaren Verfügung, nämlich

A. 30.000 Mk. – Dreißigtausend Mark, welche ich selbst der Universität Jena schenkte (Ertrag meiner Schriftsteller-Tätigkeit im letzten Decennium).

B. 20.000 Mk. – Zwanzigtausend Mark, als Ergebniß der Sammlungen für die „Ernst-Haeckel-Stiftung“ (– von meinen Schülern gegründet am 16. Feruar 1894, bei Gelegenheit meines 60. Geburtstages –).

C. 50.000 Mk. – Die andere Hälfte des Capitals, würde aus folgenden Quellen zu erwarten sein:

D. Beitrag der „Carl-Zeiss-Stiftung“ – der verdienstvolle Gründer derselben, mein verstorbener Freund, Professor Ernst Abbe, würde sicherlich gern eine größere Summe zu meinem Unternehmen beigesteuert haben.

E. Beiträge der Durchlauchtigsten Erhalter der Universität Jena.

F. Beitrag (privat) Seiner Königlichen Hoheit, des Großherzogs Wilhelm Ernst, des Rector Magnificentissimus der Universität Jena (eingedenk des warmen persönlichen Interesses, welches Höchstdessen Großvater und Vater stets mir und meinen Arbeits-Unternehmungen gewidmet haben.

G. Beiträge aus einer neuen Sammlung für die Ernst-Haeckel-Stiftung, welche meine Schüler gegenwärtig (für den Zweck dieses Museums) bereits begonnen haben. ||

H. Beiträge aus dem jährlichen Zins-Ertrage der „Paul von Ritter’schen Stiftung für die Phylogenetische Zoologie“ (gegründet am 17. Mai 1886, mit einem Capital von 300 Tausend Mark). Der Zweck und die Ausführung des neuen phylogenetischen Museums entspricht vollkommen den Intentionen des Stifters, Herrn Dr. Paul von Ritter in Basel. Es ist daher völlig angemessen, daß von jetzt an (vom 1. Januar 1907 an) von dem jährlichen Ertrage dieser Stiftung (10.000 Mk) der vierte Teil (– 2.500 Mk –) für das neue Phylogenentische Museum verwendet wird.

Zunächst läßt sich nicht bestimmen, wie hoch die unter D. E. F. G. zu erwartenden Beiträge sich belaufen und wann sie baar eingezahlt werden. Andererseits muß es mir, eingedenk meines hohen Alters (73 Jahre) und des natürlichen Wunsches, die zweckmäßige Ausführung meines Projectes selbst zu leiten und zu überwachen, höchst wichtig erscheinen, daß auch die zweite Hälfte des erforderlichen Gründungs-Capitals (50.000 Mk) schon jetzt völlig gesichert und disponibel erscheint. Ich erbiete mich daher, diese Summe schon jetzt der Universität Jena als unverzinsliche Anleihe in der Weise auszuzahlen, daß mir (oder meinen Erben) dieselbe im Laufe der nächsten 20 Jahre aus dem Zins Ertrage der Paul von Ritterschen Stiftung zurückerstattet wird (also jährlich 2500 Mk). ||

Im Laufe der 46 Jahre, welche ich an der Universität Jena als Docent tätig bin, habe ich zahlreiche Beweise der besonderen persönlichen Neigung und Anhänglichkeit gegeben, mit welcher ich unserer Thüringer Alma mater zugetan bin. Ich habe, um hier zu bleiben und zu arbeiten, vier glänzende und ehrenvolle Berufungen (– nach Würzburg, Wien, Straßburg, Bonn –) ausgeschlagen, von denen jede mir mehr als das Doppelte meines jetzigen hiesigen Einkommens geboten hat. Ich habe bei Gelegenheit der Einweihung des jetzigen Zoologischen Instituts (am 3. Mai 1883) demselben meine ganze naturwissenschaftliche Bibliothek (im Werte von ca. 120 Tausend Mark) zum Geschenk gemacht. Der Wert meiner eigenen, dem Institute geschenkten zoologischen Sammlungen, dürfte diese Summe noch übersteigen. Wenn ich nun jetzt – vor Aufgabe meines Amtes – mit der Begründung und Ausstattung des neuen Phyletischen Museums – der geliebten Universität Jena ein neues und letztes großes Opfer darbringe, so darf ich mich wohl der Hoffnung hingeben, daß Sie, hochgeehrter Herr Curator, meine Unternehmung gütigst unterstützen und die wohlwollende Genehmigung der Durchlauchtigsten Erhalter der Universität dafür erwirken werden.

In dieser frohen Zuversicht verbleibe ich, mit der Versicherung der vorzüglichsten Hochachtung

Ew. Exzellenz ganz ergebener

Prof. Dr. Ernst Haeckel

Director des Zoolog. Instituts.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
05-01-1907
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Universitätsarchiv Jena
Signatur
C 640, Bl. 3r-4v
ID
41256