Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Agnes Haeckel, Potsdam, 15. August 1883

Potsdam 15/8 83.

Liebe Agnes!

So oft es auch mein Wunsch war, Dir zu schreiben, so war es mir doch nicht möglich, theils war ich zu traurig und dann auch war meine Schwester Bertha bis jetzt hier; die ist eben abgereist, und so ist mein erstes: Dir zu schreiben. Daß es unserem Ernst auf seiner Wanderung gut geht, freut mich sehr, und ich hoffe: er wird gesund und frisch zu Euch heimkehren, und seine Lieben in Jena nach Wunsch finden. ||

Wir haben hier eine recht sorgenvolle, traurige Zeit durchlebt. Annas Zustand war so schlimm, und der Arzt meinte eine ernste Cour mußte vorgenommen werden; so ist denn Hahn vorgestern mit ihr abgereist; Du kannst denken wie traurig wir alle sind; wie sehr werden die jungen Eheleute geprüft; wie leid thut mir mein Karl, der soviel Leid schon erlebt hat; und vor allem die arme Anna, die || von Allen sicha trennen muß, die sie liebt.

Hahns haben ihre Wirthschaft aufgelöst, der Mann wird mit dem Kindchen, und dessen Amme, die recht gut scheint, zu Karl ziehen. Marichen hat die Sorge für Alle übernommen. Gott gebe, daß Alles zum Guten ausschlägt. Heute erhielt Karl die erste Nachricht von Hahn aus Frankfurt am Main. Bis dahin war die Reise glücklich verlauffen. ||

Am vorigen Sonnabend wurde bei Hahns die kleine Lotte getauft. Am nächsten Sonntag wird nun Ernst heimkehren. Da wird für Euch Lieben eine recht unruhige Zeit kommen; der Umzug des Instituts und dann Euer Einzug in das neue Heim, was Ihr, Lieben, Euch gegründet habt. Gott gebe Euch darin viel Freude und erhalte Euch gesund!

Sei mit den Kindern auf’s herzlichste gegrüßt von Deiner

alten Mutter

Lotte Häckel

a eingef.: sich

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
15-08-1883
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36959
ID
36959