Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Agnes Haeckel, Potsdam, 16. Juli 1880

Potsdam 16/7 80.

Liebe Agnes!

Hoffentlich begrüssen Dich diese Zeilen glücklich in Jena, daß Du mit Deinen Kindern wohl angekommen bist, und Ernst gut gefunden hast. Wie viel habe ich heute an Dich und die Kinder gedacht, es war hier so heiß und schwül, daß es mir recht leid that, Euch auf der Eisenbahn zu wissen; um so mehr da zu Mittag eine Kartte von Ernst kam, worin er schreibt es ginge ihm besser, und Du könntest länger hierbleiben. Wenn es mir nun auch schmerzlich ist, daß ich keinen Vortheil || von dieser Erlaubniß habe, so bin ich Dir doch dankbar, daß Du hier warst; und hoffe, wenn ich noch länger lebe, daß Du die Wiederholung Deines Besuchs nicht zu lange verschiebst.

Wie einsam war mir der heutige Tag, selbst die Arbeit wollte nicht schmecken; die Hitze war zu groß, ich ging Nachmittag im Gartten, da das starke Gewitter und trieb mich ins Haus. Wenn das Gewitter auch bei Euch war, so seid Ihr grade mit Regen, Hagel und || Donner heimgekehrt; hoffentlich aber ohne Unfall. –

Mariechen hatte einen Brief vom Vater, es geht dort gut; ich sagt ihr auf ihre Klage wie mühsam sie sich fühle: ich würde mich immer freuen, wenn sie zu mir käme, einladen würde ich sie aber nicht, da sagte sie im Weggehen: morgen Mittag werde ich kommen. Nun, liebe Agnes, muß ich Dir und den Kindern wieder schriftlich: Gute Nacht wünschen.

Behalte lieb

Deine

alte Mutter

Lotte Häckel

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
16-07-1880
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36877
ID
36877