Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Agnes Haeckel, Potsdam, 26. April [1878], mit Beischrift von Bertha Sethe

Potsdam 26/4.

Liebe Agnes!

Dein Brief, wofür ich Dir herzlich danke, hat mich sehr betrübt; daß unsere liebe Lisbet wieder erkrankt ist. Du arme Frau hast es ja recht schwer gehabt so viel Angst und Sorge in Abwesenheit des Manns allein durch zu machen. Gott helfe nur, daß unsere liebe Lisbet alles glücklich überwindet, und auch Emma a nicht ernstlich erkrankt, und Du Dich am Gedeihen der beiden || lieben Mädel freuen kannst.

Als ich gestern Deinen Brief bekam, wollte ich Deinen Kindern zur Erquickung einige Apfelsinen schicken, da fiel mir aber ein, daß Ernst ihnen vielleicht aus dem Süden welche mitbringen würde; ist das nicht geschehn, und kannst Du in Jena keine bekommen, dann bitte schreibe es mir, dann schicke ich Dir welche.

Anna und Marie, Karls Töchter, haben eine recht schwere Zeit gehabt, die beiden Mägde hatten zum 1sten April gekündigt, || und hatten sie sich ein ganz junges Mädchen als Hausmädchen gemiethet, und eine ältere erfahrene als Köchin. Diese nun bekam plötzlich die Nachricht, daß ihre Mutter krank sei, und sie gleich nach Hause kommen müsse, da haben sie sich tüchtig tummelen müssen. Seit gestern haben, sie nun wieder ein Mädchen, wenn es nur gut einschlägt, es ist immer bedenklich, so ausser der Ziehzeit.

Sonst freue ich mich Anna und Marie sind bei aller Arbeit immer guten Muths, und aufmerksam für den Vater. ||

Heinnrich ist wieder nach Heidelberg abgereist. Der kleine Siegfried hat das erste Lebensjahr ohne Krankheit zurückgelegt. –

Eben überrascht mich meine liebe Bertha, die Dir noch selbst ihren Gruß schreiben will.

[Beischrift von Bertha Sethe]

Recht von Herzen tut es mir leid, daß Du solche Sorge um das Lisbethkind gehabt hast. Gott sei Dank, daß es so weit wieder besser geht. Hoffentlich bleibt es an der Besserung. Grüße und küsse das kleine Volk, und sei Du herzlich gegrüßt von

der alten Tante

Bertha.

Ernst innigen Gruß, wenn er nicht zu stolz von allem Feiern geworden ist.

[Nachschrift von Charlotte Haeckel]

Den 3 Kindern die innigsten Grüße von ihrer alten Großmutter Lotte Häckel.

a gestr.: sich

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
26-04-1878
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36777
ID
36777