Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Agnes Haeckel, Potsdam, 3. Juli 1877

Potsdam 3/7 77.

Liebe Agnes!

Herzlich danke ich Dir für Deinen lieben Brief und die guten Wünsche. Wohl wird das Leben immer ernster und mit hin auch jeder Geburtstag, wie sehr habe ich das empfunden diesmal nach dem schweren Trauerfall, der unseren armen Karl getroffen. Dabei erkennen wir aber auch umso mehr, das Gute was uns noch geblieben; so bin ich auch dankbar für die Liebesbeweise, die mich den ernsten Tag erfreuten viel liebe Briefe von den || Kindern und Enkeln.

Meine Schwester Bertha kam schon Sonnabend her, und ist erst heute wieder abgereist.

Als ich Sonntag in meine Wohnstube kam, fand ich dort schon Karl mit den Kindern, die aufgebaut hatten; Rosen aus dem Gartten und Erdbeeren, von Karl Vorsätze vor dem Fenster, Anna und Marie hatten einen Mandelkuchen gebacken. Dann kamen viele Postsendungen: von meinen lieben jenaschen Kindern, einen Brief von Schuberts || aus Hirschberg; von Auguste Brunnemann aus Berlin, von Theodor Bleek mit 2 Photographien, eine von ihm mit den beiden Söhnen auf der andern Marie mit den beiden Töchtern. –

Gerne wäre ich zur Kirche gegangen; aber es ging nicht da ich geplagt von einem Krampfhusten, mich zu unwohl fühlte. Dann bekam ich auch noch liebe Briefe von Hermann und Heinnrich, ersterer schickte mir sehr schöne Rosen, wobei viel Moosrosen sind, beiden geht es gut. Zu Mittag ging || ich mit Bertha zu Karl, wo wir den ganzen Tag zubrachten.

Deiner lieben Mutter bitte ich mit freundlichem Gruß herzlich zu danken für ihre wohlgemeinten Wünsche. Ich freue mich, daß sie die Freude hat, die Kinder ihres Sohns bei sich zu haben. Euer Hiersein war zu kurz, uns ist es jetzt als wäre es ein Traum gewesen. Hoffentlich könnt Ihr bald auch längere Zeit kommen, das wünscht

Deine

Dich herzlich liebende Mutter

Lotte Häckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
03-07-1877
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36736
ID
36736