Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Agnes Haeckel, Potsdam, 30. Januar 1874

Potsdam 30/1 74.

Liebe Agnes!

Recht oft habe ich Deiner in dieser Zeit, die wir hier in so viel Leid verlebt haben, gedacht, und mich dankbar gefreut, daß es Dir diesmal so gut ergangen ist, und Du ungetrübt Dich des Mutterglücks erfreuen kannst. Möge Gott Euch auch ferner behüten. –

Unserer, armen Clara ist es nicht so gut geworden: nachdem wir seit Sylvester, wo sie krank wurde und ganz liegen mußte, und wir || täglich in banger Sorge waren, ging am 13ten die Entbindung glücklich und ganz natürlich vorüber, und wir freuten uns mit ihr über das kräftige Kind; alles ging gut, auch mit dem Nähren; aber nur 8 Tage hatte Clara die Mutterfreude, da bekam der Kleine die Gürtelrose, und nach vielen Leiden ist er vorigen Sonntag gestorben, und voragestern beerdigt.

Die Kinder hatten sich alle so sehr über den || kleinen Bruder gefreut, und nun ist alles so betrübt. – Natürlich ist es für Clara am schwersten. Gott gebe nur, daß ihre Gesundheit so vorschreitet wie es jetzt ist.

Du kannst denken, liebe Agnes, wieviel ich bei allen diesem gelitten habe; und wie sehr gedrückt ich mich fühle, da würde es für mich eine rechte Erquickung sein, wenn Du mir mal ausführlich von Euerem Ergehn schreiben wolltest, was die Kinder machen, war denn Mama seine Lisbet recht vergnügt || an ihrem Geburtstag?

Von Ernst kann ich ja keinen Brief erwartten, da er soviel zu thun hat, und da hoffe ich Du machst mir zuweilen die Freude, und giebst mir Nachricht von Euch, sage mir dann auch was Deine liebe Mutter macht, die ich bitte herzlich zu grüssen. Soll ich Dir für Lisbet ein größeres Jäckchen stricken? Gelegentlich schickst Du mir wohl mal das braune Röckchen wenn Lisbet es nicht mehr trägt. Den Kindern gieb einen Kuß von ihrer

alten Großmutter Lotte.

a eingef.: vor

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
30-01-1874
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36566
ID
36566