Gera-Untermhaus, am 11. Aug. 1919.
Mein braver, lieber Haeckel,
soeben höre ich von dem am 9. August currentis erfolgten Heimgange Deines lieben Vaters, dem ich gern noch einmal die Hand gedrückt hätte. Ich beeile mich Dir, mein lieber Freund, und Deinen werten Angehörigen den Ausdruck tiefster und innigster Mittrauer zu bekunden. Dies geschieht zugleich im Namen meines z. Zt. am Tegernsee weilenden, hochbetagten Vaters. ||
In den Wanderbildern habe ich dem Entschlafenen auch als Künstler ein Denkmal zu setzen versucht und fast 30 000 M für die ersten Serien geopfert! Es wird mir eine Ehrenpflicht sein, sowie es die Produktionsverhältnisse gestatten, weitere Serien folgen zu lassen, sodaß vorerst die Zahl 100 erreicht werde. Ich rechne auf Deine gütige Mitwirkung zu Ehren Deines mir über alles verehrten Herrn Vaters, dessen Name in der Wissenschaft und Kunst || unsterblich ist, das höchste Ziel, das einem Menschen beschieden ist.
Ich bedauere unendlich, daß eine große akademische Feier jetzt nicht stattfinden kann. Er hatte sie im reichsten Maße verdient!
Da ich gegenwärtig ganz allein bin, so weiß ich noch nicht, ob ich morgen herüberfahren kann.
Ich drücke Dir und den verehrten Deinen herzlich teilnehmend die Hand.
In alter Treue
Dein W. Koehler.