Baumfelder, Hans

Hans Baumfelder an Ernst Haeckel, Hermsdorf bei Berlin, 15. Februar 1915

Hermsdorf b. Berlin

Albrechtstr. 48.

am 15. Febr. 1915.

Seiner Excellenz

Herrn Prof. Dr. Ernst Haeckel.

Jena.

Euer Excellenz!

In unsagbarer Hochachtung und Verehrung gestatte ich Fremdling mir, auch zum 81. Geburtstage meine herzlichsten Glückwünsche auszusprechen.

Mögen uns Euer Excellenz noch lange in solcher Frische und Energie erhalten bleiben, wie uns z. B. der „Fall Hodler“ bewies und uns deutsche Maler von neuem stolz machte auf „unseren einzigen Haeckel“. ||

Jeden kleinesten Zeitungsausschnitt, der von oder über Eure Excellenz etwas bringt, sammle ich.

Das, mir voriges Jahr gütigst gesandte Bildnis Euerer Excellenz ist mein Haus-Heiligtum u. hat seinen Ehrenplatz neben meinem Bücherschrank.

Ich freue mich neuerdings sogar, wenn ich „Häckelgegner“ finde; entweder ich bekehre sie oder ich kühle mein Mütchen an ihrer „Logik“. Herzerquicklich ist Beides!! Nebenbeigesagt bin ich der Sohn streng frommer evang.a Eltern; meinen Vater (Arzt) verlor ich in meinem 2. Lebensjahre, meine Mutter habe ich bis an ihr || Ende nie für Naturphilosophie zu erwärmen vermocht.

Hoffen wir, daß das Resultat dieses entsetzlichen Krieges nicht nur in politischer, sondern auch geistiger Beziehung uns vorwärtsbringt. Während jeden Krieges blüht leider Aberglaube und Frömmelei doppelt.

Wer Wahrheit sucht, kann sie eben nur aus der Natur entziffern; das ist freilich nicht so bequem, wie blinder Glauben.

In treuer Anhänglichkeit und Dankbarkeit für Alles, was Euer Excellenz so lange Jahre in dieser verlogenen Welt für die absolute Wahrheit gewirkt haben, grüßt aus gleichgestimmten Herzen

Hans Baumfelder,

Tiermaler.

a eingef.: evang.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
15-02-1915
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 7956
ID
7956