Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Agnes Haeckel, Berlin, 26. [März 1868]

Berlin, den 26sten

Liebe Agnes!

Gewiß wunderst Du Dich, daß Du schon wieder von mir einige Zeilen erhälst, aber ich wollte Dich um etwas fragen. Als Bertha nach Landsberg ging, bat ich sie mal nachzusehn, ob von dem Kinderzeug, was ich Hermiene gab, als der kleine Julius geboren wurde, noch was ungebraucht lege, und sie solle es mir dann mit herbringen, was sie auch gethan hat; und || ich wollte Dir nur sagen, was Du bekommen wirst: 1 Stechküssen, 9 Hemdchen, 1 gestricktes Jäckchen, 6 Nabelbändchen mit 6 Läpchen, 2 Patist-Nachtmützchen. Alles ist natürlich sehr vergelbt, ich habe es nun gleich in Wasser gesteckt, und werde es waschen. Karl hatte Bertha noch die Stechküssen, die da waren mitgegeben, wir sollten sehn, ob wir davon brauchen könnten, das mag ich nicht, denn die sind natürlich sehr ver-||braucht, und wenn sie ja noch so schlecht sind, so kann es doch später einer der Kinder lieb sein es zu haben. –

Das eine, was ich von mira für Dich noch hier habe, ist wenn ich nicht irre grade so, wie Du das von Marichen hast, nun besinne ich mich aber, daß Herrmine mir sagte, sie seien viel angenehmer und zweckmässiger wie beifolgendes ist, und deshalb schicke ich Dir ein altes mit, wenn es Dir gefällt und Du die neuen noch nicht zugeschnitten || hast, so kannst Du es zum Muster nehmen; gelegentlich kannst Du es mir zurück schicken, dann hebe ich es bei den andern auf.

(Verzeihe diese Schmutzerei, das Pappier ist mir beim Schreiben über das Tintenfaß gekommen, und ich mag doch den Brei nicht noch mal schreiben.) Nun noch eine Frage wegen dem Stechküssen, es ist unter meinen Sachen noch ein altes, von ganz groben Picket, das nur noch Nachts gebraucht werden kann, || soll ich Dir das mitschicken? Die Hemdchen, die noch ganz gut sind, haben, nach alter Sitte, lange Aermel mit Strichen, und auch Halsstriche, soll ich die Strichereien abtrennen? soll ich die Aermel abschneiden? ich dächte da Du doch an dem andern Hemdchen auch kurze hast. –

Bitte beantwortte mir diese 3 Fragen. Dein Kindchen soll, wie Du mir sagtest, keine Mützchen tragen, ich werde Dir aber die zwei Nachtmützchen doch mitschicken, wenn mal eins nöthig wäre. || Damit das alte Stechküssen nicht allein reist, so schicke ich Dir etwas Kaffe mit, den Du ja immer gerne hast. Gestern machte ich bei Reimers meinen Gegenbesuch, fand alles wohl, hörte aber zu meinem Bedauern, daß Dein Bruder und Schwager solch schlechtes Wetter auf ihrer Reise gehabt hätten, daß sie haben umkehren müssen; das thut mir für sie sehr leid. || Wie wird es nur unser Ernst treffen; wenn Du Nachricht bekommst, theile es mir ja gleich mit und sage mir auch, wie es Dir geht, hoffentlich bist Du gesund und frisch. –

Grüsse Deine Lieben freundlich von mir. Mit herzlicher Liebe

Deine

alte Mutter

Lotte

a eingef.: von mir

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
26-03-1868
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 49287
ID
49287