Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Hans Meyer, Jena, 6. Mai 1909

Universität Jenaa

Jena 6.5.1909.

Lieber Hans!

Meine Abreise nach Baden-Baden wird erst übermorgen (Samstag) stattfinden; sie ist verzögert durch die unerfreulichen Verhandlungen mit meinem Nachfolger Prof. Plate, welche die 3 letzten Wochen in Anspruch genommen haben. Plate ist ein guter Dozent und tüchtiger Museums-Direktor; im Übrigen hat er den Ruf bewährt, der ihm vorausging, als „Rücksichtsloser und gemütloser Egoist und Rauhbein I. Classe, mit dem Niemand auskommen kann“. Es bedurfte langer mündlicher Verhandlungen mit dem Minister Rothe, dem neuen Kurator Staatsrat Vollert und dem Professor jur. Rosenthal, um ihm den Rechtsstandpunkt und die Grenzen seiner maßlosen Ansprüche [Textlücke]

Glücklicherweise war bisher die offizielle Schenkungs-Urkunde des Phyletischen Museums an die Universität noch nicht gerichtlich vollzogen. Dies geschah am Dienstag (4.5.) auf dem hiesigen Amtsgericht, wobei Vollert ich und 2 Juristen anwesend waren. Es wurde festgestellt, daß ich die Direktion und Organisation des Phylet. Museums Plate allein vollständig überlasse (– was wir Beide wünschen; ich bin dadurch einer großen Sorge und Last enthoben! –) – daß aber die 3 mir vorbehaltenen Räume auch nach meinem Tode so bleiben wie ich sie eingerichtet habe, mit allen persönlichen Erinnerungen, Bildern, Kunstwerken, literarischem Nachlass etc. – und zwar unter || Kontrolle meiner Erben, meines Sohns Walter u. meines Schwiegersohns Hans; sollte zwischen Ihnen und dem Direktor eine Meinungs-Differenz entstehen, so entscheidet der Kurator, und in letzter Instanz der Minister in Weimar – damit wäre dieser gräuliche Konflikt (in dem Alle auf meiner Seite standen und Plates Ansprüche verurteilten) glücklich erledigt; – persönlich bin ich mit P. fertig. –

Deine Stiftung von 10.000 Mk. ist aus wichtigen praktischen Gründen auf den Tag meines 70sten Geburtstags (1904) festgelegt. –

Mama geht es besser; sie will Sonntag versuchen, aufzustehen. Emma kommt Montag auf einige Wochen. Ich bin froh, endlich einmal Jena auf 6 Wochen zu verlassen und frische Luft zu schöpfen.

Mit besten Grüßen

Dein treuer Papa

E. Hkl.

a gestr.: Zoologisches Institut der

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
06-05-1909
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Privatbesitz
Signatur
A 41395
ID
41395