Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Georg II., Herzog von Sachsen-Meiningen, Jena, 6. November 1891

JENA, DEN 6. Novbr. 1891

Durchlauchtigster Herr Herzog!

Beifolgend erlaube ich mir, Ew. Hoheit meine neueste Arbeit, die vierte, so eben erschienene Auflage der „Anthropogenie“, mit der Bitte um freundliche Aufnahme, ganz ergebenst zu übersenden. Obwohl ich mir die möglichste Mühe gegeben habe, das Buch, entsprechend den großartigen Fortschritten der Wissenschaft im letzten Dezennium, umzuarbeiten, fürchte ich doch, daß das Erreichte weit hinter dem Erstrebten zurückbleibt. || Indessen werden Ew. Hoheit, falls Sie Muße und Neigung finden, in das Buch einen flüchtigen Blick zu werfen, leicht bemerken, daß ich stets ernstlich bestrebt gewesen bin, den großartigen Gegenstand der Forschung in seinem ganzen Umfang einheitlich darzustellen, und gegenüber den herrschenden Vorurtheilen gerade auf diesem schwierigen Gebiete der Wahrheit und Vernunft rücksichtslos Geltung zu verschaffen.

In dieser Beziehung dürften vielleicht die Vorträge 1−7, 18−23 und 30 von einigem Interesse sein. ||

Wie Ew. Hoheit vielleicht durch Herrn Oberst von Schleinitz erfahren haben werden, hatte ich das Vergnügen mit Letzterem Anfang October in Villa Carlotta zusammenzutreffen. Die wundervollen Anlagen dieses unvergleichlichen Paradiesischen Gartens habe ich bei dem herrlichen Herbstwetter noch niemals so gründlich, wie bei diesem Besuche genossen; Ew. Hoheit werden mir gestatten, Ihnen für die hohen Genüsse, welche der Anblick Ihres herrlichen Parkes mir, gleich zahlreichen anderen Reisenden gewährt hat, freundlichsten Dank abzustatten. ||

Mit der Bitte, mir Ihr gnädiges Wohlwollen auch ferner zu erhalten, und mich Ihrer hochverehrten Frau Gemahlin ehrerbietigst zu empfehlen, bleibe ich in aufrichtiger Verehrung Ew. Hoheit ergebenster

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Datierung
06-11-1891
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Thür. Staatsarchiv Meiningen
Signatur
Hausarchiv, NL Helene von Heldburg, Nr. 87
ID
40018