Haeckel, Ernst

Cairo 15/3 73

Liebste Agnes!

Die ersten Zeilen von afrikanischem Boden erhältst Du aus der heiligen Hauptstadt des alten Egyptens, in der ich gestern wohlbehalten angelangt bin und Freund Straßburger getroffen habe. Die Reise bisher recht gut verlaufen und hat mir manche schöne und interessante Genüsse gebracht, von denen ich nur bedaure, daß Du sie nicht mit theilen konntest. Freilich laufen auch manche Unannehmlichkeiten und Beschwerden mit unter, die Dir wenig behagen würden, wie z. B. seit gestern drückende Sommerhitze und eine Masse von fliegenden, springenden und kriechenden Insecten- Peinigern. Ich bin ganz zerstochen. ||

Ich hoffe sehr , bald von Dir und von unsern beiden lieben Knospen gute Nachricht zu erhalten. Ich denke Eurer täglich Viel und wünschte nur, ich könnte Euch wenigstens stundenweise hier haben. Walter würde entzückt sein über die Masse Kamele, die hier die Straßen durchziehen und über die allerliebsten Esel, auf denen Jedermann, auch Papa reitet. Lisbeth ist hoffentlich wieder ganz gut; und Dein unbehaglicher Zustand wird sich doch auch allmählich bessern.

Deinen nächsten Brief adressire:

Consulat Allemand.

Smyrna (via Triest)

Schicke die Briefe nach Smyrna spätestens in den ersten April- Tagen ab.

Herzlichste Grüße und Küsse Dein treuer Ernst.

– An Mama und Clärchen schöne Grüße.

Dem Hochzeitspaar beste Glückwünsche.

a Einliegend duftige Blüthen von Nil- Akazien.

a weiter am Rand;

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
15-03-1873
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 37592
ID
37592