Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 26. August 1875

Potsdam 26/8 75.

Lieber Ernst!

Wie leid thut es mir, daß klein Emma Euch wieder Sorge gemacht. Hoffentlich ist es jetzt ganz gut. Wohl hätte ich es Dir und Agnes gewünscht, daß Ihr zusammen eine Reise hättet machen können; aber wenn Agnes nicht ohne Sorge um die Kleine reisen kann, dann hat sie nichts davon; und Du kannst ja nicht mal zureden. Da Du doch kein bestimmtesa Ziel hast, so solltest Du || wirklich auf meinen Vorschlag eingehn. Du kommst zu mir, und machst von hier aus kleine Wanderungen und lernst so die Mark Brandenburg gründlich kennen, die nach dem was man hört, viel besser als ihr Ruf ist; und besonders viel anziehende Landschaftsbilder gieb durch die vielen Seen etc. Wie würde ich mich freuen. – ||

Hier geht es besser: Clara ist wieder auf, auch Georg. Ernst, der am kränksten war, ist auch auf der Besserung.

Vorigen Sonntag und Montagb war Tante Bertha bei mir und besorgte mit ihr das Bestech [!]; der Goldschmidt konnte es aber nicht vor Freitag fertig machen so wie wir es wünschten. – Als Du nun schriebst ich solle es Donnerstag abschicken, wollte ich noch mal hingehn, aber ich war bange || es möchte dann nur Kunfusion werden, und ich denke mir doch Du bekommst es noch zeitig genug. Es wird noch etwas mehr als 12 Thaler kosten, ich wollt es aber zu diesem Zweck lieber schön und schwer nehmen; habe verabredet, daß ich morgen beim Goldarbeiter den Brief gleich mit einlegen kann und die Quittung und es von || dort gleich zur Post bringe. – Ich wünsche nur, daß es Deinen Beifall haben möge.

Potsdam ist in großer Aufregung wegen der Versammlung des Gustav Adolfsvereins. Ich hatte mich erboten 4 Herrn aufzunehmen; bekam aber als ich die Karte erhielt: ich würde als Gäste Herrn Superintendent Pischon aus Treuenbritzen mit 2 Damen erhalten; was allerdings für mich lästiger ist, da ich mich doch || mehr um die Damen zu kümmern habe. Abends da meine Gäste noch nicht von der Havelfahrt zurück sind, benutze ich den Augenblick, um noch ein bischen mit Euch zu plaudern und will zu nächst Dir liebe Agnes noch über einliegendes Strümpfchen berichten. Vor meiner Abreise von Jena sagtest Du kleine Emma habe nur wenig Strümpfe, da habe ich für sie ein Paar zur Probe gestrickt; || wünsche nur, daß ich es richtig getroffen habe, ich schicke davon einen mit der Bitte, daß Du ihn anprobierst und mir schreibst, ob er so recht ist, oder was Du etwa anders wünschst? Ich behalte den einen Strumpf zum Maaß hier; und dann sag mir auch: wie viel Paar ich stricken soll. Karl, der Euch herzlich grüßt, hat noch ein paar Tage Urlaub, die er zu einer klei-||nen Wanderung im Harz benutzen will. Hoffentlich könnt Ihr mir recht bald sagen, daß es Euch gut geht; und sorge nur, daß ich recht fleissig Nachricht erhalte, wenn Du noch verreist, jedenfalls muß ich wissen, wo Euch meine Gedanken finden.

Wie geht es Agnes Mutter? grüsse sie herzlich. –

Gott behüte Euch. Behaltet lieb

Euere

alte Mutter

Lotte.

a korr. aus: einen bestimmten; b eingef.: und Montag

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
26-08-1875
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36651
ID
36651