Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 23. November 1882

Potsdam 23/11 82.

Liebster Bruder!

Herzlichen Dank für die Uebersendung Deines Buches, das ja bei dem splendiden Druck zu einem ganz ansehnlichen Band geworden ist. Das Titelblatt ist allerliebst u. die Dedikation sehr nett . a Sehr komisch traf es sich. Ich wollte schon dieser Tage Dich erinnern, ob Du nicht zur Weihnachtszeit die Gesammtausgabe der Reisebriefe erscheinen ließest, da sie sich ja für den Weihnachtstisch recht passen werde. Da kam gestern , also grad am 22 st , direkt an Mutter von Berlin aus (nicht von der Verlagsbuchhandl un g) ein Ex em plar der Ausgabe. Uebrigens klingt die Dedikation grad so als ob ihr Geburtstag jetzt wäre. Du hast doch nicht beide verwechselt, sondern mir die Gabe zum || nächsten Geb urts - T ag an Mutter (der erst der 84 ste ist, wenn man den Tag der Geburt nicht mitrechnet) antizipirt . Nun, es möge das ein gutes Omen sein für das nächste Jahr! –

Mutter ist im Ganzen munter, wenn auch die Mahnungen des Alters manchmal ernster auftreten. Dieser Tage klagte sie über di e Augen; sie will sich eine and re Brille anschaffen.

Mir geht es gut. Ich kann nicht über Z uviel a rbeit klagen. Gestern habe ich einen kurzen Vortrag in uns rer Gemeinde-Versammlung über Parteirichtungen in d er Kirche u. deren Berechtigung gehalten. Dazu hatte ich vorher manches zu lesen, darunter auch über P ro f essor Rückert-Jena, den Theologen; das muß ein sinniger lieber Mensch gewesen sein.

Die Primaner haben tapfer zu arbeiten. Ernst besucht uns fast jeden Sonntag | | und ist recht frisch. Hermann kommt auch öfters. Er ist jetzt auch auf Reisen Baumschnitt s halber.

– Über die mitgesandten Briefe habe ich mich recht amüsirt , am meisten über den so jovialen von L o dewijk Mulder. Den englischen haben wir heut Mittag, u nd dann auch den N a chm ittag mit Hahn’s die zum Kaffee kamen, durchstudirt u. uns auch schließlich in die wunderliche Ordnung der Seiten hineingefunden. Hoffentlich wirst Du durch solche Zuschriften nicht übermüthiger als Du schon bist. – Aber daß so was in Schottl and von der Kanzel gesagt werden kann, hätte ich nicht gedacht. –

Hast Du wohl daran gedacht, ob es nicht passend ist, ein Ex em plar der Kronprinzeß zu senden. Erwäge es u. denke dann über das Wie nach.

Ade, herzl ichen Gruß

von Deinem

Bruder.

a eingef .: Das Titelblatt ist ... Dedikation sehr nett .

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
23-11-1882
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35124
ID
35124