Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Arnold Lang, Jena, 3. März 1909

Jena 3.3.1909.

Lieber Freund Lang und unvergeßlicher Ritter-Professor!

Mein altersschwaches Gedächtnis hatte mir vorgetäuscht, das der Hochzeitstag Ihrer lieben Rosa-Lilia, meines ausgezeichneten Patenkindes, am 3., nicht am 1. März stattfinden sollte; und so hatte ich mir vorgesetzt, dem jungen Paare heute ein herzliches Glückwunsch-Telegramm zu senden. Hoffentlich ist nun mein etwas verspäteter Gruß noch vorgestern rechtzeitig bei Ihnen eingetroffen. Sie müssen dies Versehen gütigst damit entschuldigen, daß mein armes altes Großhirn in den letzten Monaten geradezu unglaubliche Aufgaben der schwierigsten Art durchzumachen hatte: u. A. 3 Abschiedsreden: – am 10., 12. und 16. Februar. Dazu offizieller Abschied vom Collegium, dem Zool. Institut, den Aemtern etc! Glücklicherweise sind alle Abschieds Acte befriedigend gelungen – besser als ich erwartet hatte. Die 3 schlimmsten Tage (15., 16. u. 17. Febr.) verbrachte ich still bei meinen Kindern in Leipzig. Auf der Rückreise (in tiefem Schnee) zog ich mir eine rheumatische Erkältung zu, die mich bis heute im Zimmer gehalten hat. Wir haben einen harten und andauernden Winter. In diesem März werde ich nun meine beiden Arbeits-Zimmer im Zool. Institut räumen, um sie an meinen Nachfolger Plate abzutreten, und dann im April mit ihm zusammen die Übersiedelung der Hälfte der Sammlungen in das Phylet. Museum vorzunehmen. Für Ihren freundlichen Beitrag zu letzteren danke ich besonders! – Den Sommer hoffe ich endlich einmal frei (– procul negotiis! –) zu genießen und auch meine, in letzter Zeit abnehmende Gesundheit etwas zu restauriren!

Meine Frau grüßt mit mir Sie und Ihre liebe Familie herzlichst!

Stets Ihr treuer alter Ernst Haeckel

(Emeritus).

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
03-03-1909
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Unbekannt
ID
33046