Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Karl Dittmar, Jena, 18. Februar 1907

Zoologisches Institut

der Universität Jena

Jena 18.2 1907

Hochgeehrter Herr Baumeister!

Den Entwurf für den Bauplan unseres neuen „Phyletischen Museums“ habe ich mehreren sachverständigen Collegen zur Kritik vorgelegt, und heute auch eingehend mit dem Herrn Curator, Excellenz Eggeling, eingehend besprochen. Der Letztere, dessen Urteil für uns besonders wichtig ist, wünscht, daß wir Drei zusammen übermorgen (Mittwoch, 20.) Nachmittags 4 Uhr in seiner Wohnung zusammenkommen zur Beratung. Falls Sie verhindert sein sollten, bitte ich dies Herrn Geheimrat Eggeling morgen mitzuteilen; er hat die Pläne dort behalten. ||

Bei aller Anerkennung, die Ihrem schönen und in künstlerischer Hinsicht sehr ansprechenden Entwurf gezollt wurde, hat sich doch herausgestellt, daß derselbe wesentlicher Änderungen bedarf, besonders mit Rücksicht auf den Kostenpunkt.

Da die wünschenswerte Entfernung des alten Doebereiner’schen Hauses und der Neubau eines pharmakologischen Instituts (Kionka) neben dem Stern in weiter Ferne liegt, wird darauf keine Rücksicht zu nehmen und demnach auch das schöne Project des neuen Fahrweges zunächst nicht ausführbar sein. ||

Mit Bezug auf das Äußere des neuen Phyletischen Museum so waren die Ansichten darüber einig, daß dasselbe einen monumentalen Charakter tragen und mit den beiden oberhalb gelegenen Instituten in einer gewissen Harmonie stehen müsse: Front und Fassade tempelartig oder ähnlich der Bibliothek, mit 1 oder 2 Reihen Bogenfenster; kein hohes Dach, kein Erker etc. Das hübsche moderne Gebäude, das Ihre Skizze zeigt, würde sehr passend für eine Villa befunden, aber nicht für ein öffentliches Museums-Gebäude. Vielleicht können Sie übermorgen eine Musterkarte solcher Gebäude zur Vergleichung mitbringen. ||

Ich hoffe, daß wir über unsere schöne, aber schwierige Aufgabe zu anschaulicher Klarheit kommen, wenn wir am 3. März in Frankfurt das neue Senckenberg-Museum ansehen, am 4. in Darmstadt das kleine, aber sehr hübsche Naturwissenschaftliche Museum, und am 5. mit Herrn Professor Fischer in Stuttgart darüber beraten.

Einstweilen statte ich meinen herzlichen Dank ab für das lebhafte Interesse, das Sie unserer schönen Aufgabe widmen, und zweifle nicht, daß es Ihrem künstlerischen Genius gelingen wird, eine allseitig befriedigende Lösung zu finden.

Mit freundlichen Grüßen

Hochachtungsvoll

Ihr ergebener

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
18-02-1907
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 33006
ID
33006