Fürbringer, Max

Max Fürbringer an Ernst Haeckel, Jena, 10. Februar 1901

Jena, 10.2.01.

Lieber Freund!

Herzlichst wurden wir durch Deinen lieben Brief vom 6.1. aus Tjibodar erfreut. Auch Deine Reisebriefe haben wir mit Dank und höchstem Interesse gelesen. Und zu Allem sind wir glücklich, dass die Störung in Deinen Gelenken doch verhältnissmässig schnell überwunden wurde und Dir die Reise den vollsten Genuss gewährte. Nun freuen wir uns auf Deine Rückkehr. Es wäre herrlich, wenn wir Dich noch Mitte April in Heidelberg sähen, falls Deine Rückreise über die Neckarstadt führt. Wir wohnen zunächst freilich recht traurig Bismarckstraße 7, werden auch noch im halben Umzug begriffen sein; es wäre in diese Trüben und unerquicklichen Tage ein heller Sonnenstrahl Dich, zu begrüssen und uns von Dir erwärmen zu lassen.

In Heidelberg wird meiner im Institute manche Arbeit warten. Aber ich werde gute Helfer haben: Göppert, Dir wohl bekannt und bisher-||iger 1. Assistent in Heidelberg, und Braus, den ich mir als vorzügliche Arbeitskraft wieder aus Würzburg kaufte. Göppert und Braus werden beide Prosectoren. Noch ist die Angelegenheit nicht ganz fertig, es wird aber nicht lange dauern. Mit Gegenbaur habe ich keinen directen Briefverkehr in den letzten Monaten gehabt, da er dadurch zu sehr angegriffen wird, namentlich auch durch das Hangen und Bangen betreffend Maurers Berufung sehr aufgeregt worden war. Maurer, der unser Haus übernimmt, schreibt mir, dass Gegenbauer aber sehr vergnügt über die endliche Berufung Maurer’s ist. M. ist auch der beste, der für Jena zu denken war, und er wird mich bald vergessen machen.

Die Zoologischen Forschungsreisen gehen flott weiter. Im Augenblick ist eine sehr schöne Arbeit über die Entwicklung des Larynx der Monotremen von Göppert im Druck. Dass Dir die Fortführung der Redaction bis zum Abschlusse des Werkes recht ist, nehme ich als || einen mich hocherfreuenden und mich sehr ehrenden Beweis von Vertrauen mit lebhaftem Danke auf und werde mir alle Mühe geben, das hochbedeutende Unternehmen gut und schnell zum Abschluss bringen. Auch Herrn von Ritter fühlte ich mich verpflichtet, die Weiterführung der Redaction durch mich anzuzeigen, wobei ich „die nöthige Unterstützung der Herausgabe vorausgesetzt“, einen glänzenden Abschluss des grossen Werkes in Aussicht stellte. Selbstverständlich wäre es taktlos gewesen, mehr zu sagen, mir auch gar nicht zukommend. Herr von Ritter hat mir darauf (vom 7.XII.1900) einen äusserst liebenswürdigen Brief sofort gesandt, in welchem er betreffend die Fortführung der Redaction schreibt: „Was mich persönlich betrifft, so erlaube ich mir Ihnen meinen verbindlichsten Dank für die Übernahme der Redaction behufs Veröffentlichung der wissenschaftlichen Arbeiten und der Forschungsreise des Herrn Prof. Semon hiermit zum Ausdrucke zu bringen mit der Hoffnung, dass die materiellen Unkosten des Werkes aus den Zinsbeträgen meiner Stiftung für Phylogenie reichlich gedeckt werden können!! – Ich verstehe mich || nicht ganz auf den Stil des Herrn von Ritter, habe aber nach diesen Äusserungen das Gefühl, als ob nicht viel zu hoffen wäre, wenn Du mit Deinem mächtigen Einflusse ihn nicht in die nothwendige gehobene und gebfreudige Stimmung bringst. Einstweilen versuchen wir so schnell als möglich abzuschließen, was hinsichtlich des Systemischen Bandes in wenigen Monaten gelingen, hinsichtlich des Morphologischen aber länger dauern wird. Dann aber kommt die grosse Abrechnung mit Fischer und mache ich mich, nach dem Wortlaut der mit diesem v. Z. eingegangenen Contraktes darauf gefasst, einen ganz hübschen Posten zu bezahlen, falls Ritter versagen sollte. Semon schrieb mir spontan, dass er die Kosten tragen wolle. Davon kann aber keine Rede sein, denn er ist an der Weiterführung des Werkes ebenso unschuldig wie Du; ich allein bin der grosse Übelthäter, der seine egoistische Freude daran hatte, das Werk so stattlich als möglich weiterzuführen und abzuschließen und der nun auch für diese Eitelkeit büßen muss.

Der Referirabend grüsst von ganzem Herzen und freut sich ungemein, Dich wieder in Jena zu begrüßen. Hoffentlich geht es meinem lieben Jena auch in Zukunft recht gut. Der neue Großherzog hat noch nichts von sich merken lassen, seine einzige Regierungshandlung bisher war, dass er die Masern hatte.

Und nun, lieber hochverehrter Freund, sagen auch wir Dir dankerfüllten Herzens auf glückliche Heimkehr und auf ein öfteres Wiedersehen!

Mit herzlichsten Grüssen und Wünschen

Dein M. Fürbringer.a

a Text weiter am linken Rand von S. 4: Und nun, … M. Fürbringer.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
10-02-1901
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 1337
ID
1337