Strasburger, Eduard

Eduard Strasburger an Ernst Haeckel, Bonn, 14. Februar 1894

Bonna (Jena) d 14 Februar 1894

Lieber Freund!

Mein Wunsch Dir persönlich zu Deinem 60. Geburtstag meine Glückwünsche darzubringen kann leider nicht in Erfüllung gehen. Meine Mutter ist seit Anfang Januar erkrankt und ihre Kräfte nehmen in einem Maasse ab das zu ernstlicher Besorgniss Veranlassung giebt. Ich selbst fühle mich seit mehreren Wochen nicht wohl und || kann nur mit Noth meinen Verpflichtungen nachkommen. Daher ich mich zu diesen Zeilen entschliessen muss, um Dir wenigstens schriftlich zu sagen wie sehr ich mich über die wohlverdiente Ehrung freue welche Dir übermorgen zu Theil werden soll, und Du mögest noch in voller geistiger Frische mit bewährter schöpferischer Kraft, viele Jahre || an der Spitze Deiner Wissenschaft, ja der gesammten biologischen Wissenschaft schreiten.

Dabei gedenke ich in treuer Dankbarkeit der Anregung die ich bei Dir als meinen Lehrer einst fand, des maassgebenden Einflusses den Du auf meine geistige Entwicklung übtest, des Wohlwollens das Du mir zeigtest, da ich noch als Dein Schüler zu Deinen Füssen sass und der freundschaftlichen || Gesinnung derer so viele Beweise Du mir später als College gabst. Du hast in bestimmender Weise in mein Schicksal eingegriffen, Du tratst für mich ein als es nach Pringsheims Fortgang galt die Jenenser botanische Professur wieder zu besetzen und so habe ich Dir thatsächlich meine wissenschaftliche Laufbahn zu danken.

Dafür drücke ich Dir, wenn auch nur in Gedanken, an Deinem 60. Geburtstag herzlich und dankbar die Hand als

Dein alter treuer

Freund

E. Strasburger.

a korr. von Haeckel: Bonn

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
14-02-1894
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 12645
ID
12645