Bleek, Wilhelm Heinrich Immanuel

Wilhelm Heinrich Immanuel Bleek an Ernst Haeckel, Kapstadt, 19. Oktober 1871

Capstadt, d. 19 Oct. 1871

Lieber Ernst,

Auf Deinen Brief vom 22. Juni habe ich Dir schon längst antworten wollen, – bin aber durch sehr vieles so in Anspruch genommen, dass ich nicht dazu kam. Es freut mich sehr dass die Sammlung im ganzen in so gutem Zustande angekommen ist. Deine Anweisungen in Bezug auf etwaige frische Sammlungen werden wir so viel wie möglich genau befolgen. Es mag sein dass wir schon bald dazu wieder Gelegenheit haben werden, da wir für Februar wieder eine Wohnung in der Kalkbay genommen haben. Solltest Du uns || noch fernere Anweisungen geben wollen, oder Dir noch etwas einfallen, so schreibe mir nicht später als den 20sten December. Würde Dir mit einem oder ein paar Tintenfischen (cuttlefish) in Spiritus gedient sein, die wir hier in der Kalkbay finden. Sie sehen schon kurios aus. – Was Du in Betreff der Bezahlung der Unkosten für die erste Sammlung schreibst, so bitte ich Dicha es damit so zu halten. Im Falle die Sammlung blos Dein Privateigenthum wird, so nimm sie nur, bitte, als ein Geschenk von mir an; wird sie aber Theil der öffentlichen Sammlung, der Du b vorstehst, so habe ich nichts dagegen, wenn Du ein solche Summe (30 bis 33 Thlr.)c als Du d || sie werthältst, meiner Mutter zustellst; und die von Dir genannte Summe scheint mir ganz passend zu sein. Es ist mir unmöglich irgendwie genau anzugeben, was für Kosten mir diese Sammlung gemacht hat. Wäre es nicht im Interesse der Wissenschaft so hätte ich sie natürlich nicht gemacht. Vielleicht später wenn ich Apotheker-Rechnungen und die meiner Agenten in der Capstadt u. London einsehe, würde ich annähernd sagen können, e was es eigentlich für Unkosten verursacht hat. – Du hast wohl von den Unsrigen erfahren, wie am 23 Juni meine Frau Zwillingstöchter (Margarethe Hedwig u. Hermine Marie) hatte, von denen aber die kleine allerliebste Hermine schon am 17 August in Folge von || Schwäche starb. Wir waren auch für Margarethe sehr besorgt; aber jetzt seit einigen Wochen haben wir wieder viel mehr Hoffnung.

Doch ist weder sie, noch unsere anderen Kinder besonders kräftig. An Verstand fehlt es ihnen nicht – Edith hat im Gegentheil mir zu viel Denkkraft, u. muss desshalb sehr in Acht genommen werden. – Es mag Dich interessiren zu hören, dass ich vor etwa einem Monat ein Schreiben aus München erhielt von Professor Karl Halm mit beiliegendem Diploma als auswärtiges Mitglied der philosophisch-philologischen Klasse der Bairischen Akademie der Wissenschaft. Beides in sehr schmeichelhaften Ausdrücken, u. für mich äusserst überraschend. – Wahrscheinlich hat M. Haug mich vorgeschlagen. Mit freundlichsten Grüssen an Dich, u. Deine liebe Frau von mir

Dein getreuer Vetter W. H. I. Bleek. ||

P.S. Ich danke Dir sehr für die Photographie Deines lieben Walthers, der uns sehr an seine Großmutter erinnert. Gerne möchten wir auch eine Photographie Deiner lieben Frau haben. Grüße auch Deine Eltern u. Karl u. Frau sehr.

Hast Du das Kistchen durch Trimenmit Muscheln, Seepflanzen etc. erhalten, dabei war auch ein Büchelchen (Bilderbüchelchen) von Edith für den kleinen Herrmann Bleek (Johannes Söhnchen) bestimmt.

a eingef.: Dich; b gestr.: f; c eingef.: (30 bis 33 Thlr.); d gestr.: wofür; e gestr.: dass

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
19-10-1871
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 7055
ID
7055