Plate, Ludwig

Ludwig Plate an Ernst Haeckel, Bonn, 5. Februar 1885

Bonn. 5/II.1885.

Hochgeehrter Herr Professor!

Hiermit übersende ich Ihnen meine erste zoologische Arbeit mit dera ergebensten Bitte, dieselbe prüfen und mir dann mittheilen zu wollen, ob ich mit derselben am Schlusse dieses Semesters bei Ihnen den Dr.titel mir erwerben kann. Meine Dissertation ist leider etwas sehr lang geworden, und bitte ich Sie daher höflichst um Entschuldigung, wenn ich Ihre Zeit durch die Lectüre derselben ungebührlich in Anspruch nehmen sollte. Würde es vielleicht genügen, wenn ich nur die Einleitung und den allgmeinen Abschnitt der Arbeit als Inauguralschrift drucken liesse, mit Hinzufügung einer kleinen Note, welche angäbe, in welcher Zeitschrift der fehlende mittlere Teil zu finden ist? Es würden sich die Kosten dadurch für mich wesentlich geringer stellen, ein Punkt, auf den ich einiges Gewicht legen muss.

Im Falle, dass es mir gestattet würde, bei Ihnen, Prof. Stahl und Hofrat Genther, deren Collegien ich sämtlich gehört habe, zu promovieren, würde es mir sehr lieb sein, wenn das mündliche Examen noch etwas auf sich warten liesse und erst kurz vor dem officiellen Schlusse des Semesters statt fände, da ich einmal mit meinen Repititionen noch sehr im Rückstande bin, und sodann die Exmatrikel der hiesigen Hochschule mit dem von der Jenenser Universität geforderten Nachweis über vollendetes Triennium sich nicht gut eher || erbringen lässt.

Das Studium der Rotatorien habe ich schon im Sommer 1883, als ich noch bei Ihnen hörte, begonnen; die Arbeit ist jedoch zum grössten Teile im hiesigen zoologischen Institut unter Aufsicht des Herrn Prof. R. Hertwig entstanden.

Ihrer geschätzten Antwort entgegen sehend

verbleibe hochachtungsvoll und ergebenst

Ludwig Plate. stud. rer. nat.

Meckenheimer Str. 53

Bonn.

a eingef.: der

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
05-02-1885
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 45204
ID
45204