Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Wilhelm Bölsche, Jena, 24. Januar 1899

Zoologisches Institut

der Universität Jena.

Jena den, 24.1.1899.

Lieber Herr Bölsche!

In der beifolgenden Bücher-Kiste sende ich Ihnen die gewünschten Schriften von mir, deren Verzeichniß hier beiliegt. Die meisten sind meine persönlichen „Reserve Exemplare“. Ich habe nämlich bei Gelegenheit der Einweihung des neuen Zoolog. Instituts (1884) meine ganze wissensch. Bibliothek (über 2000 Bde und 10.000 Broschüren) der Bibliothek des Zool. Inst. geschenkt, der ich auch alle täglichen Zusendungen einverleibe. Da aber meine eigenen Bücher viel verlangt werden, habe ich für mich ein Reserve-Explr behalten. ||

Die roth angestrichenen Schriften (Nr. 12, 13, 14, 16, 17, 18, 20) können Sie behalten. Vielleicht kann ich Ihnen auch später ein Exemplar von einigen der größeren Monographien verschaffen; bitte nur zu sagen, welche Sie besonders wünschen. –

In Nr. 7 (Stettin. Naturf. Vers. Ber. 1863) finden Sie 3 interessante Reden (von Virchow, Volger und mir). – Einige Nummern (7., 8., 9., 10., 11) erbitte ich im Mai zurück, da sie öfter gebraucht werden. Das Übrige können Sie länger behalten. ||

Die Gener. Morphol. ist leider schwer zu haben; sie wird antiquarisch schon mit 60–80 Mk bezahlt; sie kostete 20 Mk. Es war sehr dumm von mir, keine II. Aufl. zu machen. Die gesammelten Reise-Skizzen publicire ich vielleicht noch. – Beim Auspacken bitte ich vorsichtig zu sein, da ich für mein Pathchen verschiedene Korallen, Schnecken, Muscheln u. Seeigel beigepackt habe.

− Die Radiolarien-Collection bitte ich zu behalten; sie wird Ihnen eine mikroskop. „Gemüths- u. Augen-Ergötzung“ liefern. ||

Alles Weitere wollen wir mündlich bei Ihrem hiesigen Besuche besprechen, auf den ich mich sehr freue. Die beiden Monate März und April werde ich am Mittelmeer zubringen wegen „Plankton-Studien“. Sie müssen also entweder im Februar oder Mai kommen – letzteres viel besser, weil Sie dann die Frühlings-Schönheiten unseres herrlichen Saalthals kennen lernen.

Mit besten Grüßen an Sie und Ihre liebe Frau, sowie mein hoffnungsvolles Pathchen,

Ihr alter

Ernst Haeckel.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
24-01-1899
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
Biblioteka Uniwersytecka we Wroclawiu
Signatur
Handschriftenabteilung, Böl.Hae.51
ID
42176