Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte Haeckel, Jena, 2. Oktober 1881

Jena 2. Oct. 81

Liebste Mutter!

Meine Abreise nach Ceylon ist nun definitiv auf nächsten Sonnabend, 8. Oct., festgesetzt. Montag (10.) bleibe ich in Gratz, wo ein Maler (Professor v. Königsbrunn) der längere Zeit in Ceylon war, mir seine Bilder u. Skizzen zeigen will. Dienstag fahre ich nach Triest, wo ich noch 3 Tage mit Gläser-Kisten und anderen Vorbereitungen zu thun habe. Am anderen Sonnabend (15.) geht mein Schiff, der Helios, von Triest ab. ||

Im Laufe der letzten Woche habe ich noch eine Reihe Briefe von den competentesten Seiten (aus Triest, England und Ceylon selbst) bekommen, welche übereinstimmend jede Besorgniß wegen der Cholera als unnöthig erklären.

Insbesondere schreibt mir der Consul Freudenberg, der vorige Woche aus Ceylon (zum Besuche seiner Verwandten in Remagen bei Bonn) eingetroffen ist, daß der Ausbruch der Cholera in Aden und Arabien || für Ceylon selbst (wie auch in früheren Jahren) ohne jede Bedeutung sei; nicht einmal Quarantaine werde deßhalb eingerichtet. Derselbe hat mir außerdem einen Haufen von Empfehlungen geschickt, und die einzelnen Personen, die mir dienstbar sein wollen, genau geschildert, so daß ich vorzüglich instruirt und vorbereitet bin. Somit ist sowohl Agnes als ich selbst völlig beruhigt und ich bitte Dich dringend, liebste Mutter, Dir keine unnöthige Sorge zu machen. ||

Ich habe die ganze Ferienzeit hier tüchtig gearbeitet und nicht allein 30 Tafeln für Giltsch fertig gemacht, sondern auch den ganzen Entwurf zum System der Radiolarien, so daß ich diese Arbeit glücklich los bin.

Die nächsten Tage giebts noch Viel mit besuchen und Besorgungen zu thun. – Wir sind Alle wohl, auch Emma wieder in Stand. Nachmittags gehe ich täglich etwas spazieren mit der Familie.

Herzlichste Grüße, liebste Mutter von

Deinem treuen Ernst.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
02-10-1881
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 39176
ID
39176