Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte Haeckel, Jena, 30. Juni 1878

Jena 30. Juni 1878

Liebste beste Mutter!

Zu Deinem 80sten Geburtstage wollte ich Dir eigentlich einen ausführlicheren Brief schreiben als diese flüchtigen Zeilen. Ich wurde aber heute den ganzen Tag durch Besuche von Studenten und Collegen, Pedellen und Reisenden so in Anspruch genommen, daß ich Dir jetzt vor Postschluß nur noch in Eile meine innigsten Grüße uns Glückwünsche senden kann. Übrigens braucht's ja auch nicht viele Worte! Du weißt doch || liebste Mutter, wie lieb ich Dich habe, und wie ich morgen in Gedanken bei Dir sein werde. Von uns wird Dir Agnes erzählt haben, die gestern glücklich zurückgekehrt ist. Die Kinder sind alle munter.

Ich habe mich wieder ganz von den Strapazen der Osterferien-Reise erholt, genieße den herrlichen grünen Sommer und arbeite recht mit Lust an meinen harmlosen Medusen und Radiolarien, nachdem ich alle Vorträge u.s.w. abgeschüttelt habe. ||

Beifolgende „Kleinere Schriften“ von Ludwig Steub werden Dich hoffentlich in einsamen Stunden angenehm unterhalten.

An Carl und die Kinder herzlichste Grüße.

Heute habe ich meinen Wiener Vortrag über Zellseelen gedruckt erhalten, und lege ein Exemplar für Dich bei. Er ist im Juli Heft der „Deutschen Rundschau“ erschienen.

Mit innigsten Glückwünschen und herzlichsten Grüßen

Dein treuer Sohn

Ernst Haeckel

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
30-06-1878
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38819
ID
38819