Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Charlotte Haeckel, Jena, 28. Januar 1872

Jena 28 Januar 1872

Liebste Mutter!

Nach so viel Traurigem, was Dich in der letzten Zeit bewegte, kann ich Dir heute einmal eine sehr frohe Mittheilung machen. Ich habe heute, wider alles Erwarten und ganz unvermuthet, eine sehr ehrenvolle und glänzende Berufung nach Straßburg an die neugeründete Universität bekommen. Wenn sie 4 Wochen früher, zugleich mit der von Gegenbaur, gekommen wäre, wären wir Beide wahrscheinlich zugleich hingegangen. Nachdem aber || Gegenbaur abgelehnt hat, werde ich wohl desgleichen thun. Immerhin ist die Sache sehr angenehm und wird mir wohl zu einer weiteren Gehaltszulage verhelfen, abgesehen von der Ehre. Seebeck werde ich es erst morgen sagen.

Bei uns geht es besser. Ich bin wieder ganz munter, ebenso die beiden Kinder. Agnes liegt leidera seit 8 Tagen zu Bette, von heftigen Kopfschmerz und Gesichtsreißen geplagt. ||

Deinen mütterlichen Stolz freut es vielleicht, zu hören, daß die Ehrenbezeugungen aus dem Auslande jetzt förmlich auf Dein Söhnchen regnen. Diese Woche erhielt ich derer in gedruckten Besprechungen aus England, Frankreich, Italien und – Ostindien!! Die Akademie der Naturforscher in Moskau hat mich auch zu ihrem Ehrenmitgliede ernannt!

Hoffentlich geht es Dir gut, liebste Mutter! Herzlichste Grüße

von Deinem treuen Ernst.

a korr. aus: seider

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
28-01-1872
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38632
ID
38632