Haeckel, Ernst

Ernst Haeckel an Karl Haeckel, Jena, 1. April 1895

Jena 1. April 1895

Lieber Bruder!

Dein Friedel ist heute als Recont eingetreten und hat eine sehr passende Wohnung (gut und billig 75 Mk pro Semester) im „Erbprinzen“, nächstes Haus an der Caserne, sehr practisch! Ich hatte sie von 14 Tagen für ihn angesehen. Der Junge ist sehr vergnügt und munter, und wir werden für ihn sorgen. Tante Agnes gefällt er sehr gut (was bekanntlich nicht leicht ist!!) || Der Major a unsres Bataillons ist ein sehr liebenswürdiger Herr und sucht immer Fühlung mit der Academie. Ich habe ihn gestern Friedel bestens b empfohlen. Wir saßen vis à vis beim Festessen im „Baeren“ (2–6 Uhr) zu Ehren von Bismarck’s 80. Geburts Tag. c Ich schenkte (unter großem Jubel) unserem „erbärmlichen“ Reichstag einige liebevolle Worte! Diesmal bin ich mit Wilhelm II einverstanden! Es war gestern ein herrlicher Tag, Abends große Bergfeuerbeleuchtung. ||

Bitte mir 900 Mk zu schicken und zu bestimmen, wieviel ich Friedel geben soll davon. Den übrigen Rest meiner Einnahme kannst Du anlegen. – Heinz tafelte gestern auch mit. Die Stelle in Hanau soll mit einem „Hessen“ besetzt werden, d. h. einem Schwiegersohn des biederen Collegen Enneccerus! –

Heute operirt Heinz eine „Gallenfrau“. Er ist für 5 Wochen Director der chirurgischen Klinik (so lange Riedel in Italien ist). – Ich sitze noch 3 Wochen an meinem Buche! Mit besten Grüßen – auch an Frl. Kniebe, Tante Bertha und Hahns

Dein treuer Bruder

E. Hkl.

a gestr.: ist; b gestr.: zu; c gestr.: Am Abend

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
01-04-1895
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 38146
ID
38146