Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, vor 19. November [1881], mit Nachschrift von Marie Haeckel

Mein lieber Ernst!

Gott sei Preis und Dank, der Dich wieder beschützt hat in so schwerer Gefahr, wo keine Menschenhand Dich retten konnte. Mich schaudert noch wenn ich mir die Lage denke, in die Du Dich befunden hast. Hoffentlich ist nun alles wieder gut, und Du erfreust Dich auf der Reise alles Schönen, das Dir die Natur bietet. Aber dieser Unfall, der Dich getroffen hat, veranlaßt mich noch mals zu der Bitte: sei vorsichtig; und vor allem sei ruhig und besonnen bei neuen Unter-||nehmungen. – So habe ich auch Sorge, daß beim Gebrauch der Schußwaffe Dein unruhiges, lebhaftes Wesen Dir könne Gefahr bringen. Also bitte: sei vorsichtig.

Potsdam 19/11

Deine liebe Frau habe ich gebeten: Dich von mir zu grüssen, und dir zu sagen: daß ich Dir garnicht schreiben würde, da ich Dir doch hauptsächlich nur schreiben könne, daß ich Dich lieb habe, und das weißt Du. Nun läßt es mir aber keine Ruhe, ich muß Dir selbst meinem Herz innigsten Gruß schicken; und Dir von den Potsdammer erzählen: Karl laboriert noch immer || an dem Bein trotz römischen Bäder, er versieht seine Geschäfte, aber sieht oft recht leident aus, es mag ihm auch fehlen, daß er nicht nach gewohnter Art sich Bewegung machen kann. Sonst ist alles hier im Hause gesund, Herrmann ist jetzt nicht bleibend hier, da er viel Aufträge zu besorgen hat: namentlich auf den Gütern Bäume zu beschneiden etc. Heinnrich schwitzt in Strasburg an seinem Examen. Ernst scheint sich ja jetzt gut einzuleben im Botanischen Garten. ||

Siegfried ist mein treuer Freund. Mit unter kommt Karl wohl Abends mit den beiden Töchtern, Georg und Julius Abends ein Stündchen Oben, dann wird vorgelesen, was mir immer eine große Freude ist. – Hedwig Bleek, die jetzt bei Bertha zum Besuch ist, wird übermorgen mit Bertha zu mir kommen und hoffentlich einige Zeit bleiben. Als Clasens (Anna Bleek) bei Bertha waren sind sie auch 2 mal mit derselben auf einen Tag zum Besuch in Potsdam gewesen. So hast Du Potsdammer Bericht. Gott sei ferner mit Dir und erfülle darnach die heiße Wünsche

Deiner alten Mutter Lotte

[Nachschrift von Marie Haeckel]

Herzlichen Gruß von allen Neffen und Nichten. Marie.a

a Text weiter am rechten Rand von S. 4: Herzlichen Gruß … Nichten. Marie.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
vor 19.11.1881
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36939
ID
36939