Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 26. April 1878

Potsdam 26/4 78

Lieber Herzens Sohn!

Diese Zeilen sollen Dich begrüssen in Deiner lieben Häuslichkeit. Gebe Gott, daß Du gesund ankommst, und Dich bald völlig erholst von den übermässigen Anstrengungen der Reise; die mir viel Sorge gemacht, ich fand gleich beim höhren des Plans, daß der zu viel geistes und körperkraft erfordert. Dann hatte ich auch Angst, daß durch die vielen Gastereien das Uebel, || welches uns im vorigen Herbst so geschreckt hat, wieder entstehn könnte. Hoffentlich ist auch hierin meine Sorge unnöthig gewesen. Nach dem vielen Trubel wird die häusliche Ruhe Dir gut thun, und ich denke Du wirst bei Deinem jenaer Rosbrätchen Dich besser fühlen als bei den feinen Leckereien. –

Deine arme Frau hat in Deiner Abwesenheit viel Schweres durch zu machen gehabt. Hoffentlich findest Du || sie ganz wohl, und daß ihre Sorge um die Kinder gehoben ist. – –

Daß Du in Pola doch Deinen Wunsch nach Medusen noch hast erfüllt gesehn, freut mich recht. Fast auf all Deinen Reisen ist es Dir so ergangen, daß Du am Ende erreicht, wonach Du Wochenlang vergebens gestrebt. Nun wünsche ich Dir nur, daß Du bei Deiner Ankunft nicht zu viel Arbeit findest, ich sehe schon mit Angst die sich gesammelten Correkturbogen, Briefe etc. etc. ||

Nun willst Du wohl wissen wie es mir geht, davon ist nicht viel zu berichten, nur langsam wenig besser; vorigen Sonnabend habe ich versucht die Treppe herunter zu gehn, und bin auf Karls Wunsch bis zu ihm gefahren, und habe eine Stunde im Gartten gesessen und wieder zurück gefahren, aber das war auch schon zu viel, darnach viel Schmerz im Fuß etc., gestern wollte ich versuchen etwas zu gehn, mußte aber gleich wieder umkehren. Also noch Geduld!– Behalte lieb

Deine alte, kräpliche

Mutter Lotte.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
26-04-1878
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36776
ID
36776