Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 12. Juli 1875

Potsdam 12ten 7 75.

Lieber Ernst!

Gestern Mittag erhielt ich Deinen Brief und Karl hat heute auf der Renntenbank das Geld erhoben. Da habe ich eben unsere Berechnung zusammen gestellt und lege Dir auf beifolgendem Blättchen Berechnung der Einnahme und Ausgabe. – Ich hoffe es soll Dir recht sein, die gekauften Pappiere werde ich Dir aufheben. Ich gebe jedem Enkel zum Geburtstag 1½ Thaler und zu Weihnachten 1 Thaler in die Spaarkasse, zum ersten Geburtstag etwas mehr und so habe ich für Deine Kinder 15 Thaler berechnet. Da ich weiß, daß Du Dich nicht gerne mit Berechnungen befaßt, wollte ich Dir || den Vorschlag machen, daß Du Deine liebe Frau bätest die Verwalterin der Spaargelder der Kinder zu sein; einer Mutter macht es ja Spaaß für ihre Kinder zu sammeln. Zur Zahlung der Pappiere habe ich 146 Thaler vorgestreckt, die wie später berechnen. – Herr Joachim hat kein Geld mehr für Dich. So bald Du weißt wie viel und wann Du zur Reise brauchst schreibe es mir, ich werde es besorgen. Im Februar erhebe ich wieder Zinsen für Dich.

So weit das Geschäftliche: nun zur Beantwortung Deines Briefes. – ||

Es freut mich recht, daß Du den Vortrag gehalten hast, und ihn willst drucken lassen. Tante Bertha, die gestern Abend kam und heute bei mir war, meinte, da müssest Du ihr auch ein Exemplar geben. Antworte mir doch ob ich Tanten die von Euch erhaltene Photographie schenken soll? ich habe sie ihr heute nicht gezeigt, weil Du früher geschrieben hast, Du würdest eine für Tante Bertha mitschicken. –

Ich hatte schon in der Zeitung die Todesanzeige von P. N. gelesen und die Frau und Kinder bedauert, nun ich aber || die Art von Dir gehört, ist es mir doppelt traurig; der unglückliche Mann muß ganz ausser Fassung gewesen sein oder ohne inneren Halt. Gott schütz jeden vor so schwerer Verirrung; und laß uns immer mehr dahin kommen die Kinder in Gottesfurcht zu erziehen. – – – –

Von Bonn sind die Nachrichten sehr traurig, die arme Auguste scheint viel zu leiden.

Sei Du mit Agnes und den Kindern aufs herzlichste gegrüßt von

Deiner

alten Mutter Lotte.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
12-07-1875
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36648
ID
36648