Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Agnes und Ernst Haeckel, Potsdam, 9. Mai 1873

Potsdam 9/5 73

Mein lieber Herzens Ernst!

Sei mir auf’s Innigste gegrüßt zu Deiner Heimkehr! Wie sehr freue ich mich mit Euch, daß Deine Reise glücklich, ohne Unfall beendigt ist, und Du selbst reichen Genuß davon gehabt hast. Gott behüte Dich und Dein Haus! Hoffentlich hast Du auch Deine liebe Frau und die Kinder frisch und wohl gefunden, und Ihr werdet dann nach dieser schönen Zeit wieder mit frischem Muth das Alltagsleben beginnen. – ||

Auch Dir, liebe Agnes, wünsche ich Glück, daß Du die Einsamkeit glücklich überstanden hast, und es werde Dir nun auch die kleinen Unbequämlichkeiten, die ja das Leben immer mit sich bringen, bald mehr bald weniger; leichter zu tragen sein, nun Ihr wieder gemeinsam alles erlebt; mögest Du nun auch mit frohem Muth der Zeit entgegen gehn, die ja Euer häusliches Glück immer mehr befestigen soll. ||

Dir, lieber Ernst, danke ich noch herzlich, daß Du so treuliche Reiseberichte geschickt hast, war es dadurch mir doch möglich, alles treulich mit Dir zu durchleben, und habe ich so recht von Herzens Grund Gott gedankt, daß Dir so viel Schönes zu Theil geworden. – – Ich wünsche Dir nun auch, daß Deine gesammelte Schätze nun auch wohlbehalten ankommen mögen. – ||

Wie gerne empfing ich Dich morgen in Jena, um mich gleich zu überzeugen, daß Du Dich nun auch wirklich erholt hast, und wieder mein alter frischer Junge bist. Nun, das kann nicht sein, und ich muß mich mit der Aussicht trösten, Dich ja bald, wie Du mir versprochen hast, mit Walterchen bei mir zu sehen; und ich hoffe immer noch, wenn es ohne Nachtheil für Agnes oder dem Kindchen an-||geht, daß Deine Frau sich entschließt und Ihr dann mit beiden Kindern zu mir kommt. Bei Karl hier ist alles leidlich wohl; von unserem armen Kranken hören wir noch keine Besserung.

Wünschst Du, lieber Ernst, Deine Reiseberichte bald zu haben, so schicke ich sie Dir wohlverpackt durch Post; oder soll ich sie Dir aufheben, daß Du sie dann selbst mitnimmst. –

Hoffentlich höre ich bald von Dir wie Du angekommen, und || wie Du Frau und Kinder gefunden hast? Die Du aufs herzlichste von mir grüssen mußt.

Gott behüte Euch alle und gebe Euch morgen ein frohes Wiedersehn. Behaltet lieb

Euere

alte Mutter

Lotte.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
09-05-1873
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36526
ID
36526