Haeckel, Charlotte

Charlotte Haeckel an Ernst Haeckel, [Berlin], 26. Februar 1871

Sonntag d. 26sten Februar 71a

Lieber Herzens Ernst!

Herzlichen Dank für Deinen lieben Brief, den ich vorgestern gegen Abend erhielt, und nicht erst nach Potsdam schickte, da ich ein paar Zeilen von Karl erhalten hatte, worin er schrieb, er dächte Sonnabend Nachmittag her zu kommen. Er kam dann erst gegen Abend mit Clara, und sie blieben bis halb neun Uhr bei uns. –

Uns betrübt es sehr, daß Deine Agnes noch immer krank ist; und es ängstigt mich um so mehr, da Du eine größere Reise vor hast. Ist die denn so unumgänglich nöthig? ich bin bange, Du hast keine Ruhe, wenn Du mit || Sorge die Frau verlassen mußt. Wenn Du durchaus reisen mußt, so hoffe ich doch, daß Deine Schwiegermutter die Güte hat, und bei Agnes bleibt. –

Mir ist schon eingefallen, ob Agnes nicht Linderung der Schmerzen haben würde, wenn sie lau-warme Bäder nehme, vielleicht mit Kalmuß, Kamillen und Pfermünz, das ist doch krampfstillend. –

Wie leid thut es mir, daß Agnes nicht mal bei der Tauffe der kleinen Tochter hat sein können.

Auf Dein Herkommen freuen wir uns alle sehr, und es ist mit den || Potsdammern verabredet, daß sie Freitag herkommen, das paßte ihnen am beßten, da der Wahl wegen keine Sühle ist, und Karl kein Termin hat, sie werden 4 Kinder mit bringen, ich habe ihnen gesagt, daß ich zu Freitag sonst niemand bitten würde, weil Ihr Euch dann besser aussprechen könnt. Ich denke aber Du bleibst jeden Fall auch den Sonntag noch hier; ich wollte gerne während Du hier bist auch Ernst Reimer mit der Frau und Frau Professor Weiß bitten. Auch meinte Karl er würde dann sehen ob er den Sonntag noch mal her käme. ||

Laß Dir ja von Agnes sagen: welchen Kakao sie wünscht? Ob wie ich zu letzt ihr geschickt? oder wie sie ihn früher bekommen hat? Damit ich ihr noch welchen schicken kann, wenn der alle ist. –

Dann bitte in meinem Namen Agnes, daß sie mir ja gleich Nachricht giebt, wenn sie von Dir Briefe erhält; und mir ja dabei sagt, wie es ihr und den Kindern geht. – Auch soll sie es ja sagen, wenn ich ihr irgend etwas von hier zu ihrer Erquickung schicken soll. ||

Wie sehr wir uns gefreut haben über die Anerkennung, die Dir von Darwin geworden, brauche ich Dir wohl nicht erst zu sagen; ist es doch unsere größte Freude über das Gute was unsern Kindern zu Theil wird, und welche Befriedigung muß es Dir sein, wenn Dein Ringen in der Wissenschaft von einer Autorität, wie Darwin ist, anerkannt wird. –

Mögest Du ferner viel Freude in Deinem Berufsleben haben. – Karl und Clara nahmen auch || lebhaftes Interesse an Deiner Freude, und Dein alter Vater freute sich sehr. –

Karl hat für Dich ein Buch von Almers: römische Schlendertage mitgebracht, und ein englisches Heft worin eine Censur über Ernst Häckel steht, beides sollte ich Dir geben, Du würdest es vielleicht brauchen. Hoffentlich sehen wir Dich Donnerstag Abend b gesund bei uns, und Du kannst uns auch von Deinen Lieben gute Nachricht geben. – || Deiner lieben Schwiegermutter, Agnes und Clara herzlichen Gruß von

Deiner

alten Mutter

Lotte.

Walterchen und klein Emma gieb einen Kuß von mir. ||

Hierunter befindet sich auch der neue Pfandbrief von Agnes. –

a irrtüml.: 70; gestr.: bei

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
26-02-1871
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 36396
ID
36396