Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 3. März 1896

Potsdam

den 3 Maerz 1896

Lieber Bruder!

Diese Zeilen treffen Dich wohl schon zum Beginn Deiner Ferien und ich kann Dir mit einigen geschäftlichen Anfragen kommen.

Zunächst die Eckhardt’sche Hypothek betreffend: Ich denke dieselbe Mitte dieses Monats jedenfalls zu kündigen, so daß das Kapital am 1 October 1896 fällig wird. Eckhardt mag sich dann nach einem anderen Gläubiger umsehen. Was wir später weiter thun, wenn er keinen findet, ist eine andre Frage. Persönliche Erkundigungen in Wannsee muß ich nun für die bessere Jahreszeit vorbehalten.

Sodann möchte ich jetzt schon wissen, wie viel Du von den zum 1 April eingehenden Zinsen gebrauchen wirst u. wann Du solche haben mußt. Ich kann Dir den Betrag auch schon vorher senden. Wie steht es denn mit Deiner Reise? Hast Du schon einen festen Plan? – Möglich, daß Du u. Agnes Frau Dr. Krüger-Danzig an der Riviera trefft; deshalb möchte ich wissen, || wohin Ihr geht. Frau Krüger möchte vielleicht Agnes eine zusagende Gesellschaft an demselben Orte wo Ihr Euch niederlasset, sein.

– Von den Kindern habe ich gute Nachrichten. Die Casseler kommen wahrscheinlich Mitte dieses Monats. – Tante Bertha hat sich stark erkältet; ich denke durch Marie, die heut herkommt, näheres über sie zu erfahren.

Mit mir hat sich’s erheblich gebessert, doch knöche ich noch, ohne Auswurf u. scheue das Ausgehen bei dem schrecklich unbeständigen Wetter. Sonntag war ich ¼ Stunde in der Sonne. Sonst bin ich recht auf dem Zeuge, schreibe fleißig die Lebenserinnerungen von Großvater Sethe ab.

An Siegfried sendest Du wohl die Einlage. Pro Maerz hat er sein Tracktament; was er dann noch zum Reinentischmachen u. zur Herreise braucht, bitte ich Dich ihm vorzuschießen.

Hoffentlich geht es Agnes wieder besser.

Mit herzlichem Gruß

Dein treuer Bruder

Karl.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
03-03-1896
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35352
ID
35352