Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 4. Juni 1888

Potsdam 4 Juni 88

Lieber Bruder!

Durch Tante Bertha, die gestern hier war, höre ich, daß Deine Frau u. Lisbeth in Berlin eingetroffen sind und am Mittwoch oder Donnerstag herüber kommen werden, worauf wir uns freuen.

Mutter geht es ja leidlich. Die Kräfte sind noch schwach. Trotzdem ließ sie sich im Bett nicht mehr halten, sondern stand gestern auf und war den Tag über auf dem Sopha. Es wird ihr sehr schwer, sich in die Hülflosigkeit zu finden, gegen die dadurch nothwendig gewordenen Maßregeln sträubt sie sich anhaltend und macht sich und uns das Leben schwer. Aber dann kommen doch zwischendurch wieder Stimmungen der Dankbarkeit und Ergebung. Tante hilft uns über manche Schwierigkeit mit hinweg. Gestern und heute ist ihr Mädchen nach Hause, weil die Mutter gestorben ist. Ob die ältere Schwester wird wiederkommen können, ist noch nicht entschieden.

Ernst ist der Verband vorgestern abgenommen u. die Stelle gut geheilt. Er wird sich noch einige Tage schonen müssen, aber wohl bald zu uns kommen.

Lisbeth Schubert ist morgen seit 8 Tagen bei uns || und uns ein lieber Besuch. Sie bleibt noch eine Woche.

Mit herzlichem Gruß Dir baldige Beendigung Deiner Challenger-Arbeiten wünschend,

Dein treuer Bruder

Karl.

Mutter grüßt und dankt für den Brief. Grüße meinen Heinz.

Wir haben Mutter u. ihr Mädchen nun ganz in Kost genommen u. darin hat sie sich gefügt. Tante Bertha meint, es seien 100 M Kostgeld pro Monat angemessen, bist Du damit einverstanden, daß ich Mutter so viel berechne? –

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
04-06-1888
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35221
ID
35221