Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 24. Mai 1888

Potsdam

24 Mai 1888.

Vorm.

Lieber Bruder!

In dem Festtagsreisetrubel bin ich nicht dazu gekommen, Dir über Mutter zu berichten. Sie ist am vorigen Freitag Abend (den 18 Mai) Abends, als wir Großen alle in Gesellschaft waren, in der Stube hingefallen, hat sich zwar nichts gebrochen, ist aber doch so hinfällig, daß sie noch zu Bett liegt und sich nicht regen kann. Ein Schlaganfall war es nicht, aber der Fall mit starker Kontusion verbunden. Ich ließ Sonnabend früh sofort Ebmeier kommen, um zu wissen, ob ich nach Meisdorf reisen könne. Er hatte gar nichts dagegen einzuwenden und ich fuhr statt Vormittag um Mittag ab u. bin dort bis gestern früh gewesen, gestern Abend || wieder gekommen. Zum Glück hatte Tante Bertha mit Minna sich auf Sonnabend angesagt um am Fest hier zu sein. Ich fand sie dann auch noch hier u. habe mit ihr berathen:

1) Mutter ist körperlich so hilflos, daß ein Mädchen sie nicht besorgen kann. Wir müssen dauernd eine Wärterin haben u. werden heut darnach suchen.

2) Ihr Mädchen ist so unerfahren im Kochen, u. anderweit so nöthig zu ihrer Hülfe, daß ich Mutter und ihren Haushalt in meine Kost nehmen werde.

Ich denke, Du wirst mit diesen Anordnungen einverstanden sein. Mutters Zustand macht dies nothwendig.

Hier u. in Meisdorf läßt alles grüßen. Wann kommt Agnes mit Lisbeth nach Berlin?

Mit herzlichem Gruß Dein

treuer Bruder

aIn Meisdorf hatte ich 3 herrliche Tage. Gestern auf dem Rückwege war ich in Ballenstedt, Quedlinburg u. Thale. Gruß mit Heinz: Ernst ist im Krankenhause u. der überflüssige Zahn ihm glücklich abgenommen.

a weiter am rand v. S. 2: In Meisdorf hatte…Ballenstedt, Quedlinburg u. Thale.; b weiter am Rand v. S. 1: Gruß mit Heinz…ihm glücklich abgenommen.

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
24-05-1888
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35220
ID
35220