Haeckel, Karl

Karl Haeckel an Ernst Haeckel, Potsdam, 24. April 1888

Potsdam 24 April

1888

Lieber Bruder!

Mutter hat uns dieser Tage Sorge gemacht. Schon seit mehreren Nächten klagt sie über Brustbeklemmung und der Athem ging schwerer. Gestern Abend nahm dieser Zustand so zu, daß ich zum Arzt schickte. Dieser fand den Puls recht klein, u. verordnete Ungarweindosen u. Kampferpulver. Marie u. das Mädchen (Auguste, die sich leidlich anläßt) wachten bei ihr abwechselnd; die Beklemmungen ließen nach. Von etwa 1 Uhr ab hat sie leidlich geschlafen. Heute Vormittag fand sie Ebmeier etwas besser. || Sie ist wieder außer Bett und hat die ganze Zeit über ihre volle Besinnung, ihre Selbstlosigkeit u. Eigenwillen kundgegeben. Jetzt schläft sie wieder und Ruhe scheint ihr auch am Besten zu bekommen.

Marie sorgt gehörig für sie und wir lassen es an nichts fehlen. Tante Bertha war am Sonntag da, als es Mutter schon weniger gut ging. Ich denke, sie kommt morgen wieder.

Grüße mir Heinz. Er wird in nächster Zeit noch nicht kommen. Ich hatte ihm eine Epistel geschrieben u. ernstlich ermahnt. Was macht Walter? Wir haben morgen Bußtag und ich 2 mili-||tärische Gäste, meine Einquartirung u. einen Fähnrich Wilde, Sohn meines alten Freundes des Justiz Rath Wilde in Weissenfels. Er ist hier auf Kriegsschule. Sein Onkel, Dein Studiengenosse, ist ihm vor Jahren in Stargard als praktischer Arzt gestorben.

Mit herzlichem Gruß

Dein Bruder.

Abrechnung sende ich Dir nächstens! –

Mutter läßt schön grüßen; „Du möchtest ihr doch ein Paar Zeilen schreiben!“

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
24-04-1888
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 35217
ID
35217