Sethe, Bertha

Bertha Sethe an Ernst Haeckel, Berlin, 13. Februar 1854

Berlin 13/2 54.

Du siehst, daß ich es schlecht dies Mal mit Dir vorhabe, indem ich nur ein halbes Blättchen Papier hervorsuche, mir ist aber heute die Zeit so knapp, da ich gerne a einen Brief an Philipp beendigen will, der fort muß. Aber einen herzlichen Glückwunsch wollte ich Dir doch so gern mitsenden. Was soll ich Dir anders wünschen, als daß Du immer mehr und mehr des Friedens aus Gott in Dir bewußt werdest, daß Dir immer mehr Klarheit über Dich und das Leben zu dem Du berufen bist, und daß Du Dich hinein leben sollst, erlangen mögest, und Dir aus dem b , was Du hast und lebst immer mehr Befriedigung im Innern werde, das gebe || Gott, mein lieber Ernst!

Uns geht es gut, Vater ist nach seiner Art und Weise frisch und munter, und ich habe auch eine gute Zeit; wie lange? Wir stehn ja Alle in Gottes Hand. Er allein weiß Zeit und Stunde, die Er uns vorbehalten. Nun rückt ja auch die Zeit heran, wo wir hoffen können, Dich bei uns zu sehn, nicht wahr? ̶ Deine Mutter ist etwas piepsig, aber es hat nichts zu sagen, mir kommt es vor, als wäre auch etwas Sehnsucht nach dem Enkel und dann wie immer nach ihrem Ernst die Schuld daran. Der Vater ist aber sehr frisch und wie immer liebenswürdig. Bertha-Knuf ist noch hier, und grüßt mit Allen herzlich. Den kleinen süßen Gruß lasse Dir schmecken, ein H…….t, der’s besser gibt als er hat.

Von Herzen Deine Tante Bertha.

a gestr .: P; b gestr .: Be

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
13-02-1854
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 33646
ID
33646