Leydig, Franz

Franz Leydig an Ernst Haeckel, Würzburg, 5. November 1893

Würzburg, 5. Nov. | 1893.

Hochgeehrter Herr College!

Die gütige Zusendung habe ich richtig erhalten und mich über dieses Lebenszeichen gefreut. Wahrscheinlich ist die Arbeit die Frucht der paläontologischen Studien, von denen Sie mir vorigen Jahres in Rothenburg gesprochen hatten. Ich bringe sofort den verbindlichsten Dank dar und werde die Schrift, wie es bei Allem, was von Ihrer Feder || stammt, der Fall ist, mit Aufmerksamkeit und Interesse durchlesen.

Durch die „Briefe“ bin ich beinahe neugierig geworden, die Schrift H.s kennen zu lernen, bisher hatte ich sie nicht unter die Augen bekommen.

Von Prof. Fürbringer, – welcher in den Ferien Rothenburg besuchte, hörte ich, daß Sie nach Bad Gastein gegangen wären, der Gesundheit wegen. Ich wünsche und hoffe, daß das mehr der Vorsicht halber geschehen ist, denn Ihre Constitution ist ja immer eine bewunderswerth kräftige gewesen. ||

Mein diesmaliger Aufenthalt in Rothenburg ist sehr getrübt worden durch Krankheit meiner Frau, welche (an Nephritis) monatelang schwer daniederlag; obwohl wieder hergestellt, muß sie sich doch sehr schonen und namentlich die ärztliche vorgeschriebene Diät einhalten.

Die Herren Naturforscher waren im September von Nürnberg aus auch in Rothenburg, ohne daß ich das Vergnügen gehabt hätte auch nur einen einzigen Zoologen oder Anatomen zu sehen. Als Curiosum theilte man mir mit, daß beinahe ebenso viele, wenn nicht eigentlich mehr Naturforscherinnen auf dem Platze gewesen wären.

Mit freundschaftlichem Gruße

ergebenst

F. Leydig

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
05-11-1893
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 27764
ID
27764