Möbius, Karl

Karl Möbius an Ernst Haeckel, Berlin, 26. Dezember 1892

Berlin, d. 26. Dec. 1892

Verehrtester Herr Kollege!

Sie haben mir durch Ihr „Glaubensbekenntnis“ eine schöne Weihnachtsfreude bereitet; nehmen Sie dafür den herzlichsten Dank an. Sie haben gewiß recht, wenn Sie annehmen, daß die meisten Naturforscher so spinozistisch denken und glauben wie Sie. Das setzen auch die Minister und Fürsten || bei den allermeisten Naturforschern voraus, denen sie verantwortungsvolle Stellen übertragen und geben damit zu, daß man die höchste ethische Kultur erreichen kann, ohne an Dogmen und persönliche Unsterblichkeit zu glauben.

Dieses Wissen und Toleriren ist schon ein bedeutender Fortschritt in der Ausbreitung Ihres Glaubensbekenntnisses. Viele, die sich nicht offen zu ihm bekennen, können desto || ungestörter in ihrem Berufe durch mündliches, schriftliches und anschauliches Lehren weitere Kreise dafür gewinnen. Daß es aber Einer offen ausspricht und so warm, so begeistert, so wundervoll ausspricht, wie Sie es können und gethan, dafür werden Ihnen Viele dankbar sein.

Die Planktonzählungen sind sehr mühsam und kostspielig; als Äußerstes, was in || solchen Untersuchungen gethan werden kann, mußten sie einmal ausgeführt werden. Ihre Kritik derselben wird abera wesentlich zur richtigen Lösung der wichtigen Sache beitragen.

Mit den besten Wünschen für die Erhaltung Ihrer Gesundheit und Arbeitsfreudigkeit im neuen Jahre bin ich

Ihr

dankbar ergebener

K Möbius

v. Martens u. Hilgendorf haben die für sie bestimmten Abdrücke empfangen. Ms.

a eingef.: aber

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
26-12-1892
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 25738
ID
25738