Weiß, Luise

Luise Weiß an Ernst Haeckel, Berlin, 1. Juli 1863

Berlin den 1. Juli 63.

Meine herzlich geliebten Freunde!

Erst wollte ich die Rückkehr der lieben Eltern – heute ist der Geburtstag der theuren Mutter der ich aus der Entfernung Glückwünsche sende – abwarten und dann erst schreiben und fragen: ob ich kommen darf. Da ich aber auf Umwegen erfahre, daß die Eltern erst Übermorgen kommen, ich sie also erst Sonnabend sprechen kann, so meine ich, es ist besser, ich schreibe noch heute der Brief ist morgen in Jena und wenn Ihr Lieben mich nicht jetzt haben wollt – oder überhaupt das was Ihr wollt, könnte dann am besten durch die Eltern mir mitgetheilt werden, zumal wenn es eine Ablehnung seyn sollte, die ich gewiß nicht übel nähme, da ich Eurer Freundschaft sicher bin und mich gern nach bestimmenden Umständen richten werde. ||

Meine Absicht ist bis jetzt, am nächsten Montag d. 6. d. M. nach Schkeuditz zu reisen, zu Karl und Mathilde Weiß und da einige Tage zu bleiben und etwa den Freitag d. 10. nach Jena zu Euch Ihr lieben Freunde zu reisen, da – wenn Ihr erlaubt 3 volle Tage noch zu bleiben und etwa den Dienstag d. 14. zurück nach Schkeuditz zu gehen, wo ich unsre Anna die ich mit nach Schk. nehme, wieder abholen muß und will und wohl noch 2 Tage in Schk. – oder auch einen in Leipzig oder vielmehr in Stötteritz bei Prof. Herrm. Weiße’s – bleiben würde, aber jedenfalls vor Ablauf der Woche – also Freitag oder spätestens Sonnabend d. 18. wieder zurück nach Berlin kommen will und muß. So ist der Plan, wenn keine bestimmenden Gründe ihn ändern. Kommt dieser Brief morgen nicht zu rechter Zeit, so daß die Eltern mir keine Antwort bringen können, so || bitte ich, mir ein paar Worte nach Schkeuditz zu senden, unter Karl’s Adreße, d. i. Ober Pfarrer Weiß in Schk. Kommt keine Störung und Abänderung der hübschen Pläne, so hoffe ich, daß wir ein paar recht heitre Tage zusammen verleben!

Von hier schreibe ich nichts und verspare Alles aufs mündliche mittheilen, in der Hauptsache steht es überall gut.

Also, bis auf frohes Wiedersehen!

Noch Eins; findet man bequeme Gelegenheit von Apolda nach Jena? Sonst bäte ich Sie lieber Ernst mir einen Wagen von Jena aus nach Apolda zu schicken; aber sicher muß ich dann zur rechten Zeit – Mittags – eintreffen. – Also auch darüber Antwort an Ihre vielgetreue alte

Freundin Luise Weiß.

a Unsern Ernst Weiß der 6 Wochen in Soden war und sich leidlich befindet, den treffe ich jetzt in Schkeuditz wo er ruhig seyn und Milch trinken soll.a

a weiter am rechten Rand v. S. 2

 

Briefdaten

Gattung
Verfasser
Empfänger
Datierung
01-07-1863
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 16597
ID
16597